Samstag, 12. Januar 2013

Flavia de Luce: Löst sie den Mord im Gurkenbeet?



Ein unglaublicher Debütroman


(Copyright: Iacopo Bruno, Penhaligon Verlag, Random House GmbH)

Der im Jahre 1938 geborene Alan Bradley sorgte mit seinem Debütroman Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet bereits vor dem Erscheinen für eine Sensation. Denn er wurde mit dem renommiertesten Krimipreis der Welt ausgezeichnet, dem Dagger Award, obwohl zu dieser Zeit nur ein Kapitel des ganzen Buches bekannt war.


Weitere Preise für sein Debütroman folgten erst, als Bradley im Jahre 2010 den zweiten Teil seiner Flavia des Luce-Reihe hinterherschob. So konnte sich Bradley weiterhin über den Arthur Ellis Award, einem nationalen kanadischen Literaturpreis für Kriminalliteratur, den Agatha Award, einem US-amerikanischen Literaturpreis für klassische Kriminal- und Mysteryromane, den Dilys Award, einem Literaturpreis für Kriminalliteratur im englischsprachigen Raum,  und den Spotted Owl Award, einem Literaturpreis für Mysteryromane im nordwestlichen Pazifikraum, freuen.
In seinem Debütroman lässt der Kanadier Bradley die elfjährige Flavia, die in England auf dem schönen Anwesen in Buckshaw mit ihrem Vater und den zwei Schwestern lebt, eines Morgens eine Leiche finden – und das ausgerechnet im Gurkenbeet. Auf ihre Anmerkung am Frühstückstisch „Ich hab im Gurkenbeet eine Leiche gefunden“ bekommt Falvia nur ein nüchternes „Das sieht dir mal wieder ähnlich“ entgegengesetzt. Im Folgenden ermittelt die junge Hobby-Chemikerin sowohl parallel zu dem mit diesem Fall beauftragten Inspektor Hewitt als auch gegen ihn. Dabei macht sie der berühmten Miss Marple echte Konkurrenz, denn ihr bleibt nichts verborgen. Tiefgründig sinnt sie danach, wer der Tote im Gurkenbeet sein könnte und was er auf dem Anwesen ihrer Familie verloren hatte. Auch andere Fragen müssen im Laufe der Zeit gelöst werden. So etwa warum der stinkende Schmandkuchen der Haushältern Mrs Mullett angeknabbert war, ob wohl doch jeder wusste, dass dieser Kuchen einem den Tag versauen konnte, oder etwa warum Schwester Feely noch immer eine makellose Haut hatte, obwohl Flavia ihre neuesten Chemieexperimente an deren Gesichtscremes ausprobierte.
Das beinahe geniehafte Chemieverständnis der Hauptfigur Flavia macht neben dem leichten Hauch an britischen Humor die Quintessenz dieses Romans aus. So ist wohl beinahe jeder Leser erstaunt darüber, wie sehr ins Detail die elfjährige Flavia bei ihren Überlegungen geht. Hier ein Auszug aus einem inneren Monolog der Flavia:

„Was für ein Gift wirkte derart schnell? […] Zyankali wirkte innerhalb von Minuten, das Opfer wurde erst blau im Gesicht und erstickte dann rasch. Zurück blieb ein feiner Mandelgeruch. […] (Ich muss zugeben, ich habe ein gewisses Faible für Zyankali – es wirkt nun mal am allerschnellsten. Wenn Gifte Pferde wären, würde ich immer auf Zyankali setzen.)“

Mit diesen Überlegungen bekommt die Figur der Flavia derart erwachsene Züge, dass der Roman von Kritikern längst als All-Age-Krimi eingestuft wurde. Dies ist aber auch dem spannenden und nicht leicht zu entwirrenden Kriminalfall im Roman zu verdanken. Spätestens seit der Stelle, an der Flavias Vater des Mordes beschuldigt wird und das Mädchen im Folgenden vor allem für das Leben ihres zum Tode verurteilten Vaters ermittelt, fiebert auch der letzte Leser aufgeregt mit, ob der Mord im Gurkenbeet gelöst werden kann.
Dieser Roman muss dem Autor einiges an Recherche abverlangt haben. Hinzu kommt seine Gabe, fachlich einwandfreies Wissen erzähltechnisch perfekt zu verpacken, um so eine spannende Story zu erzählen, in der obendrein Platz für Figuren bleibt, die sich entwickeln können.

Kommentare:

  1. Drei der Flavia-Bücher liegen bereits auf meinem SuB, und deine Rezension macht mich neugierig darauf. Danke für die ausführliche Beschreibung.
    LG
    Susanne

    AntwortenLöschen
  2. Gern geschehen ;)
    Ich habe Band zwei, drei und vier auch noch auf meinem Stapel;
    von denen werde ich natürlich dann auch berichten.

    AntwortenLöschen

Ein Blog lebt erst durch Kommentare und dem Dialog.
Wir freuen uns daher über jeglichen "Senf", den ihr abzugeben habt. :)