Freitag, 4. Januar 2013

Rezension zu Alan Bennett`s "Die souveräne Leserin"


„Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen.“ 
Alan Bennett mit seiner Liebeserklärung an die Queen und die Literatur  

(Copyright: Verlag Klaus Wagenbach)

Mit seiner bereits im Jahr 2007 erschienen Erzählung ehrt Alan Bennett die Queen, vor allem aber die Literatur. In die deutsche Sprache von Ingo Herzke übersetzt, wurde die Erzählung bereits ein Jahr später vom Verlag Klaus Wagenbach herausgebracht, und schaffte es im September 2008 sogar bis auf den dritten Platz der Spiegel-Bestsellerliste im Bereich Belletristik. Auf leider nur 115 Seiten bringt Alan Bennett in dieser Erzählung dem Leser das Leben und die Eigenarten der Queen näher, und lässt die sonst schwierige und herzlose Frau in einem ganz anderen Licht erstrahlen. 

 „Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen.“, sagt die Queen zu einem Lakaien, der ihr mitteilt, dass Sicherheitsbeamte ihr Buch in die Luft gesprengt hätten, weil sie es wahrscheinlich für eine Bombe hielten. Eigentlich sind die Hunde an allem schuld. Denn diese rannten eines Mittwochs in den Bücherbus und Majestät fühlte sich verpflichtet, ein Buch auszuleihen. Dabei hatte sie sich nie fürs Lesen interessiert. „Natürlich las sie, wie man das eben tat, aber Bücher gern lesen, das überließ sie anderen. Das war ein Hobby, und ihr Beruf brachte es mit sich, kein Hobby zu haben.“ Im Bücherbus lernt Majestät einen ihrer Küchenjungen kennen. Sie ist erstaunt über seine Intelligenz und will nicht zulassen, dass diese weiterhin in der Küche vergraben bleibt. Deshalb befördert sie ihn zu ihrem persönlichen Amanuensis, ihren literarischen Assistenten. Er hat nun die Aufgabe, Majestät bei der Auswahl der Lektüre zu unterstützen. So entdeckt sie, „wie ein Buch zum nächsten führt[e], wie sich immer mehr Türen öffne[te]n.“ Allmählich gehört das Lesen zu den Lieblingsbeschäftigungen der Queen. 
Am Hofe wird das neue Interesse der Majestät für Bücher jedoch nicht gern gesehen. Ob Privatsekretär oder Premierminister, so ziemlich jeder versucht die Queen davon zu überzeugen, das Lesen aufzugeben. Doch Majestät entpuppt sich als „souveräne Leserin“. Auch eine Intrige, bei der ihr „karottenköpfige Kammerdiener“ seinen Posten verliert, kann die Queen nicht aufhalten. Langsam erkennt Majestät, warum sie so an den Büchern hängt. „Büchern war es egal, wer sie las oder ob sie überhaupt gelesen wurden. Vor ihnen waren alle Leser gleich, auch sie selbst.“ Zwar hat die Queen bisher alles von der Welt gesehen und viele berühmte Leute kennengelernt, doch fehlt ihr bis jetzt die wirkliche Freiheit. In den Büchern nun kann sie frei sein. Denn das Lesen ist „anonym, gemeinsam und allgemein“. Da sie bisher ein Leben hinter den verschiedensten Schranken geführt hat, kommt ihr das genau recht. 
Und so erledigt sie ihre Pflichten mit immer mehr Unwillen. Immer und überall versucht sie zu lesen. „Das gleichzeitige Lesen und Winken beherrschte sie inzwischen recht gut, es kam nur darauf an, das Buch unterhalb der Fensterkante zu halten und sich auf die Buchstaben zu konzentrieren, nicht auf die Menschenmenge.“ In der Öffentlichkeit wirkt sie immer steifer und unmenschlicher, da ihre Verpflichtungen ihr nun wie eine Last vorkommen. Ihren Dienern gegenüber aber wird sie vertrauter. Doch auch das wurde am Hofe missverstanden. „So verwechselte man keimendes Verständnis mit schleichender Vergreisung.“ All das soll sich ändern, als die Queen bemerkt: „Ich habe keine Stimme.“ Sie will sich den äußeren Zwängen widersetzen.  
In diesem Buch geht der Leser gemeinsam mit der Queen auf Entdeckungstour durch fremde Bücherregale. Der berühmte englische Schriftsteller Alan Bennett, welcher 1934 in Leeds geboren wurde, schafft mit Die souveräne Leserin ein rührend komisches Buch über das Glück des Lesens, dass am Ende für den Leser eine echte Überraschung bereithält. Denn auf ihrem achtzigsten Geburtstag lässt die Queen eine echte Bombe platzen.

Kommentare:

  1. Schön & ausführlich beschrieben (:
    hört sich interessant an!

    AntwortenLöschen
  2. Toll kein Make-Up oder Fashion Blog! :) *Hurra*

    Das Blog klingt interessant, du hast es gut beschrieben.

    Liebe Grüße,
    Mell

    AntwortenLöschen
  3. Vielen Dank!
    Würd mich freuen, wenn du mal wieder rein schaust. :)

    AntwortenLöschen

Ein Blog lebt erst durch Kommentare und dem Dialog.
Wir freuen uns daher über jeglichen "Senf", den ihr abzugeben habt. :)