Dienstag, 8. Januar 2013

Sarah Kuttner und ihr "Mängelexemplar"


"Eine Depression ist ein fucking Event!"
Sarah Kuttner öffnet eine Tabuzone

(Copyright: S.Fischer Verlag)

In ihrem bereits im Jahr 2009 erschienen Debütroman nimmt Sarah Kuttner den Leser mit in die Welt der Schweißausbrüche und Panikattacken. Nicht verschleiert und zwischen den Zeilen, sondern in drastischer Klarheit erfährt der Leser in diesem Roman was es heißt, als sechsundzwanzigjährige Frau alles zu haben und dann doch alles zu verlieren.

So fällt Karo, die Hauptperson des Romans, nachdem sie ihren Job in einer angesehenen Event-Management-Agentur und auch ihren langjährigen Freund verliert in eine tiefe Depression, in Folge dessen sie gewillt ist, ihr komplettes Leben umzukrempeln. 
Über den weiteren Inhalt des Romans ist in der Vergangenheit im Feuilleton bereits viel diskutiert worden. Was mich an diesem Buch fasziniert ist weniger der Inhalt als vielmehr die Art und Weise, wie die Autorin ihren Leserinnen und Lesern den Inhalt vermitteln möchte. Zwar zeugt es von großem Mut, sich in seinem Debütroman mit dem missverstandenen Phänomen, nämlich der Volkskrankheit Depression, auseinander zu setzen, doch zeigt es noch viel größeren Mut, dies derart unverhüllt zu tun. Ähnlich wie andere junge Autorinnen, etwa Charlotte Roche oder Helene Hegemann (um nur zwei zu nennen), formuliert Sarah Kuttner klar, fast schon rotzig und aufgekratzt. Der eigenwillige Jargon, der von vielen Kritikern negativ bewertet wurde, verleiht dem Roman meiner Ansicht nach seinen besonderen Charme. In einer Welt, die schnell und laut ist, schreibt Sarah Kuttner schnell und zackig, laut und völlig unverschleiert. So nimmt man die Stimme der Autorin im Hintergrund als authentische Stimme der gegenwärtigen Jugend war. Damit reiht sie sich in eine scheinbar neue Form des Erzählens ein.
Stellen wie  
"Das Monster Angst kriecht langsam und bedrohlich auf mich zu [...] Ruhe bewahren!, befehle ich mir. Das Problem orten!" 
oder  
"Ich muss diese Angst bezwingen. Ich werde nicht zulassen, dass sie mich kriegt. Und irgendwie schaffe ich es, sie auf dem Weg zu mir aufzuhalten. Ich halte die Angst eine Armlänge weit von mir entfernt. Das kostet viel Kraft [...]" 
zählen zu den harmloseren. Wenn die Autorin eine der unzähligen Panikattacken von Hauptfigur Karo beschreibt, stockt auch dem letzten Leser der Atem. 
Ein, in meinen Augen, nahegehender, direkter Roman, der den Nagel der Zeit nicht nur inhaltlich sondern auch erzählerisch auf den Kopf trifft. Diesem "Mängelexemplar" mangelt es meines Erachtens an kaum etwas.

Ich hatte übrigens im März 2012 das Vergnügen, Sarah Kuttner zu treffen. Im Zuge dessen habe ich mir natürlich sämtliche Bücher signieren lassen. Hier ein kleiner Zusammenschnitt:



Kommentare:

  1. Jetzt kam ich auf deinen Blog, habe schon Panik bekommen. :D

    Wieder einmal eine gute Review, über ein gutes Buch. Klingt sehr spannend.
    Ließt du ausschließlich nur in diesem Bereich des Genres? Oder verirrst du dich auch ab und zu in andere? (:

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  2. Ich verstehe leider nicht ganz, was du mit "Bereich des Genres" meinst, kann dir aber soviel sagen: ich lese eigentlich (fast) alles!

    Was ich nicht ertrage sind diese sogenannten "Schmökerhefte". Übertriebene Liebesschnulzen fallen bei mir gnadenlos durch... an sowas komme ich einfach nicht ran! Eines meiner Lieblingsgenres ist Fantasy. Zu diesem Bereich wird`s hier sicher auch noch viel zu lesen geben. :)

    Aber eins nach dem anderen... :D

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    1. So meinte ich das eigentlich, ja. Hab mich wohl ein wenig unklar ausgedrückt. :D

      Finde ich klasse mit deinen Lieblingsgenres! :)

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  3. Wuhuu, endlich mal ein Literatur-Blog, da geht mir als Germanistik-Studentin doch das Herzchen auf... ;-)
    Hier werde ich immer mal wieder vorbeischauen!
    Lieben Gruß, Marie
    www.marie-theres-schindler.de

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  4. Hallo :) .. ich versuche es mal hier ...

    Danke für Deinen Besuch auf meinem Blog. Gerne schau ich natürlich auch mal bei dir rein. Allerdings finde ich es schwierig, weisse Schrift auf schwarzem Grund zu lesen. Und wenn dann noch der Hintergrund durchscheint, ist es mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Aber vielleicht wird sich das noch ändern .. ich schau mal wieder vorbei.

    Schön wäre es übrigens auch gewesen, etwa von Dir zu erfahren .. wenigstens einen Namen, ich wusste nicht mal, wie ich Dich ansprechen kann :)

    Liebe Grüße

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    1. Hallo Fabella,
      danke für deine ehrliche Meinung, aber du verstehst sicher, dass ich es nicht jedem Leser recht machen kann. Ich versuche natürlich, meine Texte möglichst lesbar darzustellen und habe ein bisschen was verbessert. Danke für die Tipps! ;)

      Liebster Gruß

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