Mittwoch, 27. März 2013

Zweiter Teil des Autoreninterviews mit Brigitte Riebe


Zwischen den Zeilen bei... Die schöne Philippine Welserin


(Philippine Welser, Leinwand um 1557, Schloss Ambras)

I. Warum wurde gerade die Philippine Welser zur Hauptfigur des Romans?

Ich finde, man muss geradezu auf sie stoßen, wenn man sich mit dem 16. Jahrhundert beschäftigt: aus reichem Hause stammend, das allerdings nach und nach seinen finanziellen Abstieg erlebt. Eine kluge Frau, belesen, gebildet, kräuterkundig, mit  einer Ahnenreihe, die sich sehen lassen kann – aber eben „nur“ bürgerlich. Ein Kaisersohn, der sich in sie verliebt – da ist sie schon 29 (für damalige Verhältnisse eine alte Schachtel). Eine Liaison wäre das normalste gewesen, aber sie heiraten (wenngleich nur heimlich – was sie fast ihr ganzes Leben lang vergiften wird). Natürlich bekommt der Kaiser Wind von der Sache – Ferdinand hält trotzdem an der Ehe fest. Und die beiden scheinen sich als Paar sehr gut verstanden zu haben. Trotzdem muss sie nach jeder ihrer Geburten die erniedrigende Prozedur der „Schwellenkinder“ über sich ergehen lassen, die sie fast zerreißt und neues Gift in ihr Herz träufelt. „Lose Braekin“, so nennen sie die Brüder Ferdinand, also „läufige Hündin“, sie schluckt es und liebt ihn weiter. Also eine ganz große Liebende, die sich noch am Totenbett (historisch bezeugt!) dafür entschuldigt, nicht genug geliebt zu haben …  Diese Frau hat mich gerührt und berührt wie kaum eine andere.


II. Woher zogen Sie die Ideen, die als „Dichtung“ neben der historischen Wahrheit in Ihrem Roman stehen?

Schwierig zu beantworten. Umfassende Recherche, das Aufsuchen ihrer Wohnstätten in Augsburg, Böhmen und last not least Schloss Ambras, Spezialführungen – und schließlich entsteht ein Gewebe, dem ich dieses Mal durch das fiktive Tagebuch eine ganz eigene Note gegeben habe. Ich bin Philippine so nah gekommen, dass ich wünschte, meine Leser könnten es auch. Viele Leser-Reaktionen zeigen, dass es mir wohl geglückt ist.


III. Stellen Sie sich vor, Sie würden selbst im 16. Jahrhundert leben. Welche Person würden Sie sein wollen?

Mit Verlaub – niemand! Ich bin heilfroh, dass ich kein Kind der frühen Neuzeit bin, sondern des 20. Jahrhunderts. Nicht einmal eine Königin wäre ich damals gerne gewesen – mit den miesen hygienischen Verhältnissen, der festgezurrten Standesordnung, dem alles überlappenden Aberglauben, der religiösen Verbohrtheit. Ich liebe die Errungenschaften der Aufklärung – alle! Ich erzähle gern darüber, und wie durch alle meine Romane zieht sich als roter Faden die Aufforderung zu Toleranz und Miteinander – aber selber dort gelebt haben? Bitte nicht!!!


An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals bei Brigitte Riebe für den netten Kontakt und das unkomplizierte Interview. :)

Kommentare:

  1. Ich bin eigentlich gar kein großer Fan von historischen Romanen, aber Frau Riebe hat deine Fragen so interessant und liebevoll beantwortet und hinzu kommt, dass der Inhalt sich wirklich spannend anhört...vielleicht sollte ich diesem Genre doch noch eine Chance geben!

    Deine Autoreninterviews gefallen mir sehr!
    Liebe Grüße,
    Carla von http://carlacrypta.blogspot.de/

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    1. Freue mich, wenn ich dich zum Lesen angeregt habe.
      So soll es sein ;)

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  2. Neues Buch auf meiner Leseliste ;)
    Total interessant solche Bücher und ein intetview liest sich immer gut :)

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