Freitag, 17. Mai 2013

Lesetagebuch zu Susan Hill`s "Das Gemälde"



Rezension 2.0 - ein Experiment



© Knaur Verlag

13:11  Ich reiße die Originalverpackung vom Buch ab und bin echt gespannt. Es trägt den Untertitel Eine Geistergeschichte… der Einband gefällt mir sehr gut.
13:16  Ich lese die Infos zur Autorin auf dem hinteren Einband und bin beeindruckt und verdutzt zugleich: Ich halte einen Roman einer der bekanntesten Autorinnen Englands in den Händen; verdutzt deshalb, weil ich den Namen Susan Hill tatsächlich noch nie gehört habe -> aber man lernt bekanntlich nie aus :) 
          Die im Jahr 1942 geborene Susan Hill machte sich in England vor allem als Roman- und Sachbuchautorin einen Namen. Sie schrieb aber auch Theaterstücke oder Kinderbücher. Ihre im Gothic fiction-Stil geschriebene Geistergeschichte Die Frau in Schwarz aus dem Jahr 1983 wurde mit Daniel Radcliffe (ja, der Harry Potter) in der Hauptrolle verfilmt. Sie wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet und erst im letzten Jahr anlässlich der Queen`s Birthday Honours zum „Commander of the British Empire“ ernannt.
13:19  Auch die Kritikerstimmen auf dem vorderen Einband hören sich vielversprechend an.
13:20  Ich schlage den Prolog auf → Als erstes fällt mir die sehr leserfreundliche Schriftgröße und Schriftart auf. Ich stürze mich also voller Erwartungen in den Text…
13:28  Ich bin am Ende des Prologs angekommen und habe so viel erfahren: Es geht um Oliver, einen ehemaligen Cambridge-Studenten, der seinen alten Tutor Theo Parmitter in dessen kleine und gemütliche Wohnung im College besucht. Beide lauern in einer bitterkalten Januarnacht vor dem Kamin der Wohnung und reden über alte Tage, bis Mr. Parmitter seinen Freund auf ein Gemälde hinweist, welches er seit Jahren in einer dunklen Nische der Wohnung zu hängen hat. Auf diesem Gemälde ist eine venezianische Karnevalsszene zu sehen.
„Auf einem Landungssteg neben dem Canal Grande und über den Platz dahinter schob sich eine Menschenmenge in Masken und Umhängen, unter ihnen Gaukler – Jongleure, Akrobaten und Musikanten –, die in Gondeln stiegen, andere bereits auf dem Wasser, die Boote so eng beisammen, dass die Stangen der Gondolieri aneinanderprallten.“
Mr. Parmitter möchte eine Geschichte erzählen, um einen „Teil der Last“ abzugeben…. Was immer das heißt.
13:39  Ich habe das erste Kapitel hinter mir gelassen, indem Mr. Parmitter von seiner nicht ganz einfachen Kindheit erzählt und berichtet, wie und warum er zum Kunstsammler wurde.
13:57  Das zweite Kapitel ist beendet… eine gewisse Spannung liegt in der Luft. Mr. Parmitter schildert, wie er zu dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden venezianischen Gemälde gekommen ist… schon hierbei treten Seltsamkeiten ans Tageslicht, die die spannungsgeladene Lesestimmung füttern!
„Das Säubern hatte dem Bild größere Tiefe verliehen, wodurch die Einzelheiten jetzt viel genauer zu erkennen waren. Auf dem Weg neben dem Wasser drängten sich mehr Leute als zuvor, stellenweise in mehreren Reihen hintereinander, und auch Gondeln und andere Boote voller Nachtschwärmer, manche maskiert, andere nicht, schwammen in größerer Zahl auf dem Kanal. Ich hatte die Gesichter immer wieder betrachtet und jedes Mal mehr gefunden. Menschen lehnten aus den Fenstern und über den Balkonbrüstungen, andere befanden sich in den schwach erleuchteten Innenräumen der Palazzi…“
14:04  Das dritte Kapitel war recht kurz, aber nicht weniger spannend… anhand einer Fotografie wird ersichtlich, dass das venezianische Bild im Dunkeln einen anderen Charakter zu haben scheint als in lichtbestrahlter Atmosphäre… etwas scheint sich zu verändern.
14:17  Im vierten Kapitel mehren sich die Merkwürdigkeiten für Oliver. Hat das mit seinem Wissen um das Gemälde zu tun? Was passiert mit Mr. Parmitter…
14:34  Ich bin auf Seite 64 angekommen, das fünfte Kapitel ist beendet. Eine britische Dame, Lady Howdan von Eskby tritt in die Handlung… was verbindet sie mit dem Gemälde?
14:54  Auch das sechste Kapitel endet mit einer derart überraschenden Enthüllung, dass man als Leser sofort ins nächste Kapitel abtauchen möchte… und das mache ich auch. Denn wie kann das sein, was Oliver hier hört und sieht?
15:52  Ein gewaltiger Texteinschub liegt hinter mir: „Die Geschichte der Gräfin“… und wieder tun sich neue Abgründe auf.
16:06  Das siebte Kapitel bringt vor allem eine harte Wendung. Als Leser möchte man spätestens jetzt zu Oliver rufen: „Tue es nicht!“ Man hat Vorahnungen… unaufhaltsam schreitet die Handlung fort…
16:12  Ich habe das achte Kapitel verschlungen… das, was der Leser als Romantext vor sich hält, entpuppt sich als eine Aufzeichnung der besonderen Art. Also erneut eine Wendung, die völlig unerwartet kommt! Ein Ende der Geschichte wird angekündigt. Ob es gut ist? Ich habe keine Ahnung…
16:22  Puh… der letzte Satz sitzt! Der zu Beginn des neunten und letzten Kapitels stattfindende Erzählerwechsel kam überraschend, das Ende irgendwie nicht. Und obwohl ich dieses Ende erwartet hatte, las ich mit Spannung und hoffte, dass es doch noch zu einem anderen Ende kommen würde…

In ungefähr drei Stunden habe ich diesen leider nur 158-seitigen Roman geradezu verschlungen. Obwohl… vielmehr hätte ich wahrscheinlich auf Grund der Spannung gar nicht ertragen. :) Die Aufmachung des Buches und auch die Klappentexte haben nicht zu viel versprochen. Beeindruckend ist die Art und Weise, wie detailliert und dennoch kurz und prägnant Susan Hill Situationen, Menschen und Handlungen beschreibt. Geradezu faszinierend ist zudem, dass immer eine gewisse Spannung fühlbar ist, obwohl man als Leser instinktiv bereits denkt zu wissen, was als nächstes kommen wird. Susan Hill scheut sich nicht davor, die Leserinnen und Leser zu überraschen. In meinen Augen eine tolle schriftstellerische Leistung!

Nun ist eure Meinung gefragt... wie gefällt euch eine Rezension in Form eines Lesetagebuchs? Ist es eine willkommene Abwechslung? Oder lest ihr lieber normale Rezensionen? 

Kommentare:

  1. Haha, toller Post =) das musst du unbedingt nochmal machen, ich fand es total spannend, mal so deinen Leseprozess nachzuverfolgen =)

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  2. Ich hatte auch mal darüber nachgedacht, finde es aber besser, regelmäßige Tweets etc. zu machen - so aufgelistet ist es mir zuviel - dann lieber eine normale Rezension....

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  3. aus einer Buchreview ein Lesertagebuch zu machen ist eine gute Idee ^^

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  4. Super Post (: ich bin zwar auch eine leseratte, kenne die autorin aber auch nicht :p mir hat dein lesetagebuch gut gefallen, lässt sich super lesen und verfolgen (:

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  5. schöner Beitrag :)
    Werde mir das Buch genauer anschauen :)
    Liebst, Vanessa

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  6. Das kenne ich nur zu gut, wenn ein Buch richtig spannend ist, kann ich auch nicht aufhören zu lesen :)

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  7. Wow das ist echt toll geschrieben und interessant zu lesen!
    Hört sich nach einem tollen Buch an :)
    lg Katharina
    http://ilyaquelaveritequiblesse.blogspot.de/

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