Mittwoch, 1. Mai 2013

Rezension zu „Im Pyjama um halb vier“ von Gabriella Engelmann und Jakob M. Leonhardt



Mutiges Konzept, mangelhafte Umsetzung


(Copyright: Arena Verlag GmbH)

Der Jugendroman Im Pyjama um halb vier erschien im Januar 2013 im Arena Verlag. Er thematisiert die Freundschaft zweier junger Menschen über das nunmehr aktuellste Medium: das Internet. So lernen sich Lulu und Ben zufällig über Facebook kennen und schätzen. Denn dem virtuellen Gegenüber werden so manche Dinge anvertraut, die einer realen Freundin oder einem realen Freund niemals erzählt werden würden. Beide fühlen ihre Geheimnisse bei dem anderen gut aufgehoben, nicht allein deshalb, da Lulu in Hamburg, Ben aber im weit entfernten München zu Hause ist. Und so wissen die beiden schon sehr bald so ziemlich alles voneinander. Dies stellt sich meist als Vorteil heraus etwa dann, wenn Ben von Lulu Tipps in Bezug auf Mädchen einholt oder Lulu von Ben hilfreiche Anweisungen in Bezug auf den Englischunterricht bekommt. Als jedoch die Missverständnisse zwischen beiden sich häufen, droht der Kontakt abzubrechen…. wenn da nicht die Gefühle wären, die man in der Zwischenzeit für das Gegenüber entwickelt hätte.


Hier einige Informationen zu den Autoren des Romans:
Die im Jahr 1966 geborene Gabriella Engelmann lebt in Hamburg und ist als Buchhändlerin, Verlagsleiterin und Lektorin tätig. Zudem genießt sie es, als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern aber auch Erwachsenenromane aktiv zu sein. Bekannte Bücher von ihr sind Kuss au chocolat, Cinderella undercover, Weiß wie Schnee, Eine Villa zum Verlieben oder Wolkenspiele. Auch als Literaturscout für Agenturen ist Gabriella Engelmann unterwegs. Auf ihrer Internetseite wird sie folgendermaßen charakterisiert: „Sie liebt nordfriesische Inseln, ihre Wohnung am Kanal, Theater, Film, Tanz, Musik und gutes Essen. Sie trifft sich gern mit Freunden, bepflanzt ihre Terrasse, schwingt den Kochlöffel und denkt sich in der Badewanne Stoff für neue Bücher aus.“
Der im Jahr 1975 geborene Jakob Musashi Leonhardt bezeichnet sich selbst als „Weltenbummler“, der sich in Tokyo ebenso zuhause fühlt wie in Hamburg. Neben seiner Arbeit an Kinder- und Jugendbüchern, ist er als Sounddesigner und Musiker tätig. Auf seiner Internetseite beschreibt man ihn wie folgt: „Zu seinen Leidenschaften zählt das Tauchen, japanischer Sencha-Tee sowie die Musik von Coldplay.“

 (Copyright: Arena Verlag)
Der Roman Im Pyjama um halb vier erinnert den Leser sehr an eine Sonderform innerhalb der Romantradition, nämlich den Briefroman, der sich durch einen Wechsel von fingierten Briefen mehrerer Korrespondenten auszeichnet. Diese  Form des Briefromans wurde dahingehend verändert, als dass hier nicht durch Briefe, sondern durch persönliche Nachrichten, sogenannte PN`s, bei Facebook eine Handlung aufgebaut wird. Genau dies soll zwar der Reiz des Romans Im Pyjama um halb vier sein, stellt aus meiner Sicht aber auch ein Problem dar. Denn allein durch das Geschreibsel der Protagonisten Lulu und Ben muss sich eine Handlung aufbauen, die in sich schlüssig ist, zwar Platz für die eigenen Gedanken des Lesers aber doch keine Leerstellen in der Handlung entstehen lässt. Dies ist den Autoren des Romans mal mehr, mal weniger gut gelungen. Denn vor allem am Anfang hatte ich Probleme am Ball zu bleiben, da das ewige Hin und Her zwischen Lulu und Benn doch leicht ermüdend wirkte. Ab der Hälfte des Romans allerdings erahnte man als Leser die kommenden Hindernisse zwischen Lulu und Ben und wollte unbedingt mehr erfahren. Doch ist es nicht Ziel eines guten Romans, den Leser bereits auf den ersten Seiten zu fesseln?

Da sich in diesem Roman also nur mit den PN`s der Protagonisten eine Handlung aufbauen kann, mussten sich die Autoren einem besonderen Spagat stellen: Denn auf der einen Seite musste in diesen teils sehr kurzen und knappen PN`s sämtlicher Inhalt verstaut werden, der die Handlung voranbringt, auf der anderen Seite musste dies aber auf einer Weise geschehen, die in Bezug auf die Protagonisten altersgerecht und möglichst realitätsnah schien. Dieser Spagat ist vor allem am Ende weniger gut gelungen. Denn hier wird der jugendliche Charakter der Protagonisten meist aufgesprengt, wenn etwa Sätze wie „Ich sehe zurzeit sowieso wieder optimistischer in die Zukunft“ fallen. Oft wirken Lulu und Ben gegen Ende hin doch ziemlich „altklug“. 

Insgesamt lässt sich folgendes sagen: die Story ist sehr berührend, wenn auch nicht von Anfang an. Vor allem einige Wendungen am Schluss lassen den Leser voll mitfiebern. Die Idee, diesen Roman in Form eines Briefromans zu schreiben, ist sehr gewagt und wirklich mutig. Doch fehlte es mir manchmal an Glaubwürdigkeit und einem deutlichen Zusammenhang der Aussagen.

Hier habe ich eine Leseprobe für euch aufgestöbert. ;)

Kommentare:

  1. Hmm, erinnert mich stark an "Gut gegen Nordwind", kennst Du das?
    Ansonsten wäre es glaube ich nicht so meins, ich les lieber Thriller :)
    LG

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    1. "Gut gegen Nordwind" habe ich noch nicht gelesen, aber das läuft auch in Theatern ziemlich erfolgreich, weiß ich.

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    2. ...kann man aber nicht vergleichen

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  2. Dieser "Briefform" konnte ich nie groß was abgewinnen. Da fehlt es mir an Atmo. Die Stroy drumherum ist an sich zwar nicht neu, aber durchaus interessant. Ich merk mir den Titel mal, wenn ich ihn an einem unentschlossenen Tag in der Bibliothek mal entdecke, schau ich vielleicht mal rein. Aber jetzt habe ich Lust, so was in richtiger Roman-Form zu lesen ._.

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  3. Ich habe mal ein Roman in Briefform gelesen. Es ist eine schöne abwechslung zu normalen Bücher. Aber ich weiß nicht, ob kurze PN etwas für mich wären. Ich bin generell nicht der Typ, der Bücher zum Spaß liest. Ich will dabei etwas lernen :) (Der wuderbare weg von scott peck ist momentan men Liebling)

    http://lart-culinaire.blogspot.de/

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  4. Klingt ein bisschen wie "Gut gegen Nordwind" für das jüngere Publikum, nur nicht ganz so anspruchsvoll ;) Schade, die Story klingt gut, aber wenn du schreibst, dass es an der Umsetzung mangelt, lasse ich Lieber die Finger von .

    Liebe Grüße
    Mary
    http://decobooks.blogspot.de/

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    1. Bitte beachte, dass die Rezensionen immer nur meinen eigenen Geschmack zeigen und der ist ja bekanntlich verschieden. Es kann also gut sein, dass dir dieses Buch (im Gegensatz zu mir) suuuper gut gefällt... lies doch einfach mal die Leseprobe. :)

      Lieber Gruß

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  5. Ich finde deinen Blog interessant. :)
    (Komme von KK)
    Lese auch gerne Bücher sollte mir mal deine Rezensionen genauer anschauen.
    Lg Claire

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  6. Ich habe das Buch infolge des Bloggerworkshops vom Arena Verlag gelesen, sonst hätte ich zu diesem Buch wohl nicht gegriffen.

    Das Buch hat sich Aufgrund des Workshop von 2 auf 3,5 Sterne gesteigert. es besitzt doch mehr Tiefgang als im ersten Moment erkennbar ist.

    Sehr schöne Rezension übrigens.

    Meine wird morgen gegen 3:30 online gehen ;-)

    LG

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  7. Ich habe das Buch bereits gelesen und ich finde es ist sehr gut geschrieben. Teilweise ist es sehr emotional. Da die Handlung dann aber wieder lustig wird ist es eine sehr spannende Abwechslung.
    Ich habe das buch in ca. 4 Tagen gelesen, was für mich eher ungewöhnlich ist, da ich lange brauche um ein Buch vollständig zu lesen!
    Ich würde das Buch jedem weiter empfehlen, da auch das Schriftbild anders ist als bei den meisten Romanen.
    Lg Pauli

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