Donnerstag, 9. Mai 2013

Rezension zu Kerstin Apel`s „ Der Kreuzworträtselmord“



Guter Ansatz, dürftige Umsetzung


 (Copyright: Sutton Verlag)

Die im Jahr 1963 geborene Kerstin Apel veröffentlichte den Roman Der Kreuzworträtselmord. Die wahre Geschichte im Februar diesen Jahres im Sutton Verlag. Darin geht es um den wohl spektakulärsten Kriminalfall der DDR: den Kreuzworträtselmord von 1981, der sich in Halle/Neustadt zutrug. Dort wurde ein siebenjähriger Junge entführt, misshandelt, mit einem Hammer erschlagen und in einem Koffer verstaut. Mehr Informationen dazu findet ihr in einem Post, in dem ich bereits ausführlich darüber berichtete.


Dieser Kriminalfall soll im Roman Der Kreuzworträtselmord nun von der Berliner Journalistin Shiva aufgearbeitete werden, denn man erhofft sich mit neuen Erkenntnissen eine steigende Leserzahl bei der Zeitschrift „Das aktuelle Blatt“, wofür Shiva tätig ist. Da der Fall damals aber gelöst wurde, glaubt Shiva nicht daran, neue Erkenntnisse zu finden und geht doch echt unmotiviert an die Arbeit, um die damaligen Fakten zu rekonstruieren. Als Shiva ihre Nase zu tief in den Fall steckt, wird sie allerdings selbst angegriffen. Wer wollte sie an ihrer Arbeit hindern und warum? Was wurde vertuscht, was Shiva nicht herausfinden sollte? Was war damals wirklich geschehen?

Um es vorweg zu sagen: Dies ist wohl eine der schwierigsten Rezensionen, die ich bisher schrieb. Über die textexternen Bedingungen dieser Romanveröffentlichung hat es bereits einige Kontroversen gegeben. Denn die Autorin des Romans Kerstin Apel schrieb diesen Roman nicht, weil sie sich eben einfach für diesen Stoff interessiert, sondern weil sie die Freundin des damaligen Mörders ist. In diesem Roman arbeitet sie ihre Erlebnisse auf und versucht sicherlich auch, sie endlich zu verarbeiten. All die zu Kontroversen führenden Aspekte, ob Kerstin Apel sich etwa in diesem Roman als Mittätern zeigt, ob sie mitschuldig ist oder ob sie das Recht hat, ein solches Buch zu veröffentlichen, soll hier NICHT behandelt werden. Es geht vielmehr NUR um den literarischen Text, den es zu bewerten und zu beurteilen gilt!

Der Kriminalfall um den Kreuzworträtselmord verspricht an sich schon große Brisanz. Auch der Ansatz, diese Geschichte von einer Journalistin neu aufrollen zu lassen, ist sicherlich gut gewählt. Die Umsetzung ist in meinen Augen allerdings mehr als dürftig. Wenn man von den wenigen Rechtschreibfehlern und Grammatikausrutschern absieht, so bleibt doch die einfache Sprache zurück, die dem Leser eine gewisse Handlung als spannend verkaufen will. Dies wird besonders deutlich, wenn man als Leser das Nachwort liest, welches im Normalfall einen anderen Tonfall anschlägt als der literarische Text, da hier der Autor/die Autorin von und über sich persönlich spricht. In einem Romantext schreibt der Autor/die Autorin jedoch in der Sprache der handelnden Personen und aus ihrer Art und Weise heraus. Zudem ist ein Romantext eben ein literarischer Text, an den deutlich höhere Anforderungen zu stellen sind, als dies bei einem normalen Text wie eben einem Nachwort der Fall ist. In Der Kreutworträtselmord ist zwischen beiden Textsorten allerdings kein Unterschied zu machen, was nicht nur Frau Apel sondern auch die Lektoren des Sutton Verlags hätte stutzig machen sollen. Generell hatte man als Leser den Eindruck, dass dieses Buch entweder gar kein oder aber ein eher ungenügendes Lektorat genossen hat. Denn neben den bereits angesprochenen Fehlern wechselt zudem im letzten Drittel des Textes plötzlich die Schriftart. Falls (?) dies einem bestimmten Zweck dienen sollte, so ist mir dieser völlig unersichtlich geblieben. Vom äußeren Eindruck abgesehen, kann ich leider auch inhaltlich nur wenig Gutes finden. Denn in meinen Augen sind einige Sachen völlig unverständlich, manche Reaktionen von Personen sind übertrieben oder nicht nachvollziehbar. Nur wenige Stellen lassen sich flüssig und ohne Stirnrunzeln lesen. Sieht man sich den Aufbau der Geschichte an, so beschleicht den Leser das Gefühl, dass bewusst eine lapidare Journalistengeschichte auf den ersten einhundertdrei Seiten erfunden wurde, um darin die eigentliche Geschichte, nämlich die der Susanna, der Freundin des Mörders, einbetten zu können. Denn die letzten fünfzig Seiten haben keinen handelnden Charakter. Es wird lediglich der Mordhergang in allen Einzelheiten beschrieben…. Wo wir wieder bei dem Aspekt angelangt wären, der bei der Rezension außen vor bleiben sollte!

Insgesamt kann ich diesen Roman als literarisches Werk leider nicht weiterempfehlen. Denn einen Mehrwert im literarischen Sinn konnte ich beim besten Willen nirgends entdecken. Allenfalls wird an diesem Buch ersichtlich, dass ein Roman-Manuskript harte Arbeit ist und auch, dass nicht alle Manuskripte, die sich in irgendeiner Schublade befinden, wirklich zu einer Veröffentlichung taugen…

Dennoch danke ich Kerstin Apel sehr herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Ohje, das klingt wirklich nicht so toll! Trotzdem sehr toll geschriebenes Review :)

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  2. ohwe...
    Ich stand neulich vor dem Buch und habe gedacht, ob ich es lesen sollte, gut dass ich weiß, wie schlecht es ist ^^

    ~ Nira

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  3. die story klingt auf jeden fall spannend. schade, dass es nicht gut umgesetzt wurde. aber schöne review :)

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  4. ich finde deine Rezensionen sehr gut :) und Buchblogs sind eh immer gut, bevor man n doofes Buch kauft :)

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  5. ein Fall für den Staatsanwalt
    die Geister die ich rief.......

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