Samstag, 25. Mai 2013

Rezension zu Nina Georges „Das Lavendelzimmer“

„Das Lavendelzimmer ist ein Trostbuch“ (Nina George)

 
© Knaur Verlag

 
Nina George ist vielen wohl eher unter dem Namen Anne West bekannt, denn unter diesem Pseudonym veröffentlichte die im Jahr 1973 geborene Journalistin, Schriftstellerin und Kolumnistin Sachbücher zu Liebe, Sexualität und Erotik. So gilt sie derzeit als erfolgreichste deutschsprachige Erotika-Autorin. Aber auch außerhalb des erotischen Bereichs kann sich ihre schriftstellerische Leistung durchaus sehen lassen. Für ihren Roman Die Mondspielerin wurde Nina George mit dem DeLiA 2011 ausgezeichnet. Mit der Kurzgeschichte Das Spiel ihres Lebens gewann sie den Friedrich-Glauser-Preis 2012 und mit Das Licht von Dahme war sie 2010 nominiert. Anfang Mai 2013 kam ihr neuer Roman Das Lavendelzimmer heraus, der einmal mehr ihre Qualitäten zeigt.

In diesem 384-seitigen Roman geht es um den in Paris lebenden Buchhändler Jean Perdu, der auf seinem Bücherschiff, der literarischen Apotheke, jegliche Bücher aufbewahrt und versucht, sie an die passenden Menschen zu bringen. Jede Krankheit der Seele vermag Jean zu erkennen und mit seinen Büchern zu lindern. So verordnet er seinen Lesern die Bücher wie Medizin. Denn

„[e]in Buch ist Mediziner und Medizin zugleich. Es stellt Diagnosen und ist Therapie. Die richtigen Romane mit den passenden Leiden zusammenzubringen: Das ist die Art, wie ich Bücher verkaufe“, 
beschreibt Jean Perdu. Nur sich selbst vermag er nicht zu heilen, seit dieser einen Nacht vor einundzwanzig Jahren, als die schöne Südfranzösin Manon ihn verließ, während er schlief. Nur einen Brief hatte sie hinterlassen, welchen Jean seitdem nie zu lesen gewagt hatte. Als er in diesem entscheidenden Sommer wieder auf Manons Brief gestoßen wird, stürzen ganze Wolkenbrüche über ihn ein, Stürme brechen aus und die Welt um Jean Perdu scheint sich neu zu ordnen. So beginnt für ihn eine lange Reise: durch duftende Lavendelfelder, über Stadtgrenzen hinweg und vor allem in sein tiefstes Selbst. Dabei kommt so einiges ans Licht, was Jean Perdu nie für möglich gehalten hätte. Warum war der Inhalt des Briefes so viel anders, als Jean es erwartet hatte? 

(© Nina George)

Jean Perdu nimmt den Leser mit auf eine ganz besondere Reise. Auf dieser wird dem Leser zum einen die wunderschöne Landschaft des südlichen Frankreichs nähergebracht. Denn Nina George besitzt die Gabe, Naturbilder mit einer unglaublichen Eindringlichkeit und Echtheit zu beschreiben. Zudem führt den Leser die Reise des Jean Perdu durch die Welt der Bücher, durch die Welt der Liebe… ja im Prinzip durch das Leben.
Immer wieder finden sich Bezüge auf andere literarische Werke, auf bekannte Autoren und auf berühmte Romane, was von einem großen Literaturhorizont der Autorin zeugt. Sie kreiert Wortneuschöpfungen und philosophiert auf eine angenehme Weise über deren Sinn und Bedeutung. Der Roman Das Lavendelzimmer ist weiterhin auf angenehm leichte Weise unglaublich lebensklug. Die Autorin sinniert über das Leben, über Angst, Gewohnheit, Träume oder den Tod. Ein jedes dieser Phänomene vermag sie mit beschwingten Worten ihren Romanfiguren so in den Mund zu legen, dass der tiefere Sinn dieses Romans dem Leser meist im Vorbeigehen auf die Schulter springt. Doch kann über diesen tieferen Sinn nur gegrübelt werden: das Leben zu lieben, die Zeit zu nutzen, Trauer nicht zu bekämpfen, Liebe zu teilen… es vermittelt im Grunde zu leben!
Auf der anderen Seite aber besticht dieser Roman durch seine charmanten Dialoge, die dem Leser ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern und die Romanfiguren sympathisch machen – jede auf seine Weise. Denn exakt herausgearbeitet ist in diesem Roman ein jeder Romancharakter und dennoch verzichtet die Autorin glücklicherweise auf klischeeartige Figurentypen. Die vielschichtigen Charaktere, der mitreißende Schreibstil und die immer wieder aufflammende Spannung in der Geschichte sind diesem Roman eigen.

 (© Nina George)

Insgesamt hält der Leser mit Das Lavendelzimmer einen großartigen Roman in der Hand. Schon bei der äußeren Betrachtung kann der Leser sowohl die tiefgehende Recherchearbeit als auch das Herzblut erahnen, welche in diesen Roman geflossen sein müssen. In meinen Augen ist dies ein Roman von herausragender schriftstellerischer Qualität, der Zeit erfordert, um gelesen zu werden, da er in der Seele nachwirkt. Die positivste Überraschung seit Langem! Bitte unbedingt lesen!

Hier könnt ihr euch ein kleines Video ansehen, in dem Nina George über sich und ihren neuen Roman spricht. In der kommenden Woche wird die Autorin hier im Blog Rede und Antwort stehen... ihr dürft also gespannt sein. :)


Kommentare:

  1. klingt ziemlich interessant. wenn ich mal wieder ein buch lesen mag, schau ich öfter shier vorbei, damit ich mal paar berichte lesen kann!

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  2. Lavendel mag ich sehr. Für mich hat das eine tiefere Bedeutung :D
    Ich mag die Farbe zwar nicht, aber die Form und der Geruch gefällt mir.
    Das Buch werde ich allerdings nicht lesen, weil es nicht so spannend klingt..

    ~ Nira

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    1. Hallo Nira,

      ich war auch skeptisch, dann aber neugierig und schließlich berührt.
      HaBe

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  3. Wow, das klingt wirklich super!
    Ich bin zwar schon in Südfrankreich im Urlaub, aber ich kann es mir ja direkt danach besorgen. :)
    Vielen Dank für den Hinweis!

    LG Celly von http://idatebooks.blogspot.de

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  4. echt schöne zusammenfassung:)
    aber ich denke solche bücher sind nicht so mein ding :D
    lg

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  5. Das klingt super. Muss ich mir unbedingt merken. :)
    Liebe Grüße.

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  6. Ich bekomme total Lust auf Urlaub, wenn ich mir die Bilder so anschaue... Mir gefällt es übrigens total gut, dass du in deine Texte Fotos mit einbaust! :-)
    Liebe Grüße,
    Marie

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  7. Klingt gut, aber ist nicht so meine Leserichtung =)

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  8. Sehr schöner Blog. So eine kuschelige Leseecke. Vll kannst du die Rezensionen noch etwas persönlicher halten?

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  9. Cooles Layout! wer sich gerne mit Literatur beschäftigt und Bücher liebt, ist bei dir gut aufgehoben :-)

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  10. wenn ich mal wieder lust auf was ruhigeres schönes habe werdich mir das anschauen -
    klingt definitiv lesenswert :)

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  11. Linde Hasselmann17. Juli 2013 um 16:38

    Eines der schoensten Buecher die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich danke der Autorin

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  12. Als ich das Cover sah und den Titel las dachte ich mir -Hmm... Eigentlich nicht so meins.
    Ich habe es aber innerhalb weniger Tage komplett verschlungen und ich bereue es keineswegs! Im Gegenteil, ich habe nun Lust auf einen kleinen Ausflug nach Südfrankreich und auf Lavendeleis, das auf der Zunge schmilzt.
    Also; Auch wenn ihr denkt "hmm nee klingt öde", zieht keine voreiligen Schlüsse und steckt diesen wundervollen Roman nicht in die Schublade der "einfallslosen, kitschigen Liebesgeschichten", ihr werdet es nicht bereuen! :)

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  13. Mir ging es ähnlich mit dem Cover. Aber schon auf den ersten 50 Seiten entwickelt dieses Buch einen Zauber, der mich an die Wirkung des Film Amelie erinnerte. Alle Zuschauer in unserem Kino blieben bis nach dem Abspann sitzen... und auf allen Gesichtern war ein Lächeln. Wenn Jean Perdu über die Heilwirkung von Büchern für allerlei Alltagsleiden spricht, für die es keine Medizin in Tabletten oder Tropfenform gibt, dann erinnert man sich an Lebenssituationen und das Glück, wenn man die richtige Büchermedizin getroffen hatte.
    Die Sprache der Autorin ist sehr klar und sie hüllt dennoch ein in zarte Tücher. Diese duften nicht wie Omas Schrank nach Lavendel (das suggerierte mir das Cover....Uralt Lavendel... Es sind Düfte der Großstadt Paris, Düfte von herrlichen, übervollen Buchhandlungen, der Duft der sonnigen Provence... da riechts auch nach Lavendel,, aber nicht "Uralt", sondern der frische auf dem Feld...

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  14. Es ist fast alles gesagt. Ich habe das Buch in wenigen Tagen verschlungen, mich mitnehmen lassen auf diese Reise und mich sehr gut unterhalten gefühlt.
    Ich blieb aber auf eine Frage hängen: "Das Ritual der Asche", das okzitanische Bittgebet der Verstorbenen... ich habe es im Internet gesucht (denn dort findet man doch angelblich alles :) aber leider wurde ich nicht fündig.
    Vielleicht ging es jemandem so wir mir - und er/sie hatte mehr Glück. Mich hat dieser kurze Text sehr berührt!

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    1. Hallo,
      schau mal hier:www.deutschlandfunk.de/ warum-soll-der-sue..
      Ganz unten auf der Seite findest du auch die Übersetzung.
      Gruß
      Sigrid
      Wenn es nicht klappt, melde dich unter schra-01(at)gmx.de. Ich habe es abgespeichert und kann es dir schicken

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  15. Eines der schönsten, berührendsten, einfühlsamsten, wunderbarsten Bücher, die ich je gelesen habe. Habe es leider nur aus der Bücherei ausgeliehen, und es fällt mir sehr schwer, es zurückzubringen, aber ich denke, dieses wunderbare, wirklich Trost spendende und hilfreiche Seelenbuch werde ich mir auch noch "für immer" holen müssen....wer es hat, besitzt einen Schatz....Danke für diese bewegende Inspiration...

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  16. Eines der wunderbarsten, berührendsten, einfühlsamsten Bücher, die ich je gelesen habe, leider habe ich es nur aus der Bücherei ausgeliehen - und es fällt mir schwer, es wieder zurückzugeben, werde es mir also auch irgendwann noch mal "für immer" holen. Es ist wirklich ein Seelentröster, ein Herzensberuhiger, ein Freudebringer, wundervolle Worte, wer dieses Buch hat, besitzt einen Schatz....Danke für die Inspiration...

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  17. Gestern fertig gelesen - heute gekauft. Es wird auch (s.o.) mein Seelenbuch werden. Düfte, Farben, viel Weisheit, Lächeln und Glück. "Stufen" von Hesse begleitet mich schon lange und berührt mich immer wieder.

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  18. Ich habe über Wochen dieses Buch gelesen und mit Jean gefühlt. Ja, diesem Buch wohnt ein Zauber inne, es berührt die Seele!

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  19. Auch ich habe mir das Buch "rein zufällig" aus der Bücherei mitgenommen. Und ich bin begeistert. Alleine schon über die Idee des Bücherschiffes, des Seelenlesers Jean Perdu, des jungen Autors Max .... dazu die so feine Sprache, die uns durch die Kanäle Südfrankreichs führt, aber auch durch Liebe und Leid ... Ich bin eine Vielleserin, und manche Bücher "überfliege" ich im wahrsten Sinne des Wortes. Im "Lavendelzimmer" aber genieße ich jedes Wort, jeden Satz, jede Seite. Jedes Wort des Lobes, jede Auszeichnung dafür ist verdient, liebe Nina George. Ein Buch, dass man lieben muss.

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  20. Eine deutsche Autorin, die uns dieses Buch schenkt, das unsere Innenwelt inspiriert und uns auf eine sinnenhafte und menschlich liebevolle Weise verzaubert.

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  21. Ich habe das Lavendelzimner innerhalb weniger Tage verschlungen und bin zutiefst berührt von diesem wunderbaren Buch. Die Sprache ist sehr anschaulich und fantasievoll, ohne kitschig zu sein. Nina George hat einen neuen Fan gefunden und ich bin gespannt auf ihr nächstes Buch.

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  22. Ich fand das Buch voll schön. Hat mich sehr berührt. Hab was anderes erwartet von dem Buch - aber genau das gelesen, was ich gebraucht habe... wirklich schön.

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