Sonntag, 19. Mai 2013

Thema des Monats "Weltliteratur" III

Teil III: Weltliteratur und Nationalliteratur

 

 (Vladimir Nabokov; Simon Beckett)

Im Gegensatz zu anderen Kulturgütern sperrt sich die Literatur starker gegenüber Vereinheitlichung und Entterritorialisierung, d.h. während etwa Bilder über Landesgrenzen hinweg leicht verständlich sein können, muss Literatur meist erst übersetzt werden, um für die Menschen in anderen Ländern verständlich zu sein. Zudem wurzelt Literatur in dem Eigenen der Sprache und zeigt somit die Verschiedenheit zwischen den Kulturen auf. So kann man bei einer Übersetzung zwar versuchen, den Inhalt eines Satzes so exakt wie möglich widerzugeben, eine eins zu eins-Übersetzung ist aber kaum möglich. Denn jedes Wort wird von den Menschen konnotiert, d.h. mit bestimmten Nebenbedeutungen versehen. So meinen „laufen“ und „gehen“ im Grunde das gleiche, sind aber unterschiedlich konnotiert, da ersteres ein schnelleres Fortbewegen meint als letzteres. Dies verdeutlicht, vor welchen Schwierigkeiten die Übersetzer stehen, wenn sie bei ihrer Arbeit nach adäquaten Begriffen suchen. Zudem unterscheiden sich Sprachen auch hinsichtlich ihres Klangs, wodurch ein eigentlich lyrischer Text in einer Übersetzung seinen Reiz verlieren kann.

In jüngster Vergangenheit hat sich allerdings eine Literatur entwickelt, die von vornherein grenzüberschreitend angelegt ist. Schon beim Schreiben wird einkalkuliert, dass die Werke in verschiedenen Sprachen erscheinen sollen. Es handelt sich hier um die Literatur von Autoren, die in verschiedenen Kulturen beheimatet sind. Weltliteratur in diesem Sinn findet sich am ausgeprägtesten bei Migranten, die Herkunfts- und Ankunftskultur gleich intensiv aufgenommen und vermischt haben. Hier können beispielsweise Salman Rushdies oder Rafik Schamis genannt werden. Sie haben Vorboten in dem russisch-europäisch-amerikanischen Vladimir Nabokov oder dem irisch-französischen Samuel Beckett.

Der Begriff Weltliteratur kann also auch einen inhaltlichen Sinn haben, indem diese Literatur für die Welt ausgelegt ist. Dazu muss allerdings die einheimische Kultur gegenüber anderen Kulturen geöffnet werden und andersherum. Während etwa der Austausch zwischen europäischer und beispielsweise amerikanischer Literatur funktioniert, wird chinesische, indische oder afrikanische Literatur außer von Experten noch kaum in Europa wahrgenommen. Über ihre Bedeutung und Qualität lässt sich deshalb aus europäischer Perspektive kaum urteilen.

Was lest ihr am liebsten – deutsche oder „eingedeutschte“ Literatur? Greift ihr bei fremdsprachiger Literatur manchmal sogar lieber auf die Originaltexte zurück? Kennt ihr tolle Literatur aus Asien oder Afrika?

Hier gelangt ihr noch einmal zu Diskussions-Teil 1 und Teil 2 dieses Themas der Woche.

Kommentare:

  1. schöner blog! :) gefällt mir sehr gut und interessante themen :)

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  2. Talent zum schreiben hast du ja :)

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  3. Hier noch einmal der Hinweis: Der interessanteste Diskussionsbeitrag zum Thema des Monats kann ein spannendes Buch zum Thema gewinnen....

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  4. Übersetzen ist ja immer so eine Sache. Während die leichte Lektüre à la Biss, SoG sowohl im Original, als auch in der deutschen Fassung eine Zumutung darstellt, ist eine deutsche Übersetzung von Shakespear doch angenehmer, vielleicht, weil dem Zuständigen bewusst war, dass es sich um ein sprachliches Meisterwerk handelt. In England musste ich Dürrenmatts Besuch der alten Dame lesen und war leicht erschrocken. Wenn man den eigentlich Wortlaut duraus kennt, ist man schon enttäuscht eine so abgespeckte Version vorzufinden.

    Liebst,
    Bianca

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  5. So habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht... Denn mein literarisches Interesse entwickelte sich bisher einfach immer eher Richtung Westen. Jedoch lese ich aber oftmals englischsprachige (Original)bücher, um sie besser verstehen zu können. Wenn ich z.B. "Harry Potter" als Beispiel nehme, fiel mir oft auf, dass ich es auf Englisch viel spannender fand. Als ich "Der Vorleser" auf Englisch las, war ich enttäuscht, denn das Werk gefiel mir auf Deutsch so gut, weil in wenig Worten viel Gefühl steckte. Was ist also (für mich) Weltliteratur, wenn es bei so kleinen Sachen schon nicht vollständig "wirkt"? Ich muss mehr lesen :)

    Liebe Grüße
    Schächtelchen

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  6. Im Grunde genommen ärgere ich mich immer darüber, dass ich so viele Bücher englischer Autoren auf DEUTSCH lese. Dadurch lerne ich weder besser Englisch, noch ist es herausfordernder zu lesen - doch irgendwie denke ich, lesen ist für mich ein Vergnügen, und da ich bereits mehrmals das Erlebnis hatte, ein Buch kaum verstanden zu haben (Beispielsweise Dystopien in denen selbsterfundene Wörter vorkamen) habe ich mich dann irgendwie dazu entschlossen die meisten solcher Bücher auf deutsch zu lesen. Damit ich wirklich alles verstehe. Wahrscheinlich sollte ich mich öfter trauen die Texte im Original zu lesen- so mache ich das mit Spielen und Filmen schon lange, nur bei Büchern zögere ich noch (oftmals, außer des handelt sich um Klassiker wie Brave New World oder dergleichen, die gibts nur im Original in meinem Schrank!).

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  7. Deine Texte lassen sich so schön fließend lesen =)

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