Dienstag, 7. Mai 2013

„Wer weiterliest, wird erschossen…“



Hinweis auf die Ausstellung zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. Voraussetzungen. Wirkungen. Folgen. in Berlin



„Nur noch kurze Zeit Geduld: Wer dann in Deutschland von geistiger Freiheit spricht, der hält Leichenreden.“ Zu lange habe man zugesehen. „Nun ist es zu spät. Der Geist wird verboten. Wer weiterliest, wird erschossen!“ 
(Axel Eggebrecht, Weltbühne, Januar 1932)
 
Der Bebelplatz in Berlin, der sich im Stadtteil Mitte in unmittelbarer Nähe zum Deutschen Opernhaus, der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität und der St. Hedwigs Kathedrale befindet, ist vor allem bekannt durch die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933. So beseitigten etwa 70.000 Mitglieder der SA und SS mehr als 20.000 Bücher „undeutscher“ Autoren wie Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Karl Marx oder Kurt Tucholsky.

Seit 1995 erinnert das Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman an die Bücherverbrennung. Durch eine gläserne Bodenplatte in der Mitte des Bebelplatzes kann man in einen unterirdischen Raum blicken, der mit leeren weißen Bücherregalen ausgestattet ist. Diese leeren Regale bieten Platz für circa 20.000 Bücher. Neben der Glasplatte befinden sich zwei identische Bodenplatten, die ein Zitat von Heinrich Heine wiedergeben:

„Das war ein Vorspiel nur,
dort wo man Bücher verbrennt,
verbrennt man am Ende auch Menschen.“

 (oben: Bodenplatte mit Inschrift; unten links: das Mahnmal, im Hintergrund der Unieingang; 
unten rechts: Blick durch die gläserne Bodenplatte auf die Bücherregale)

Organisiert von der Humboldt Initiative und der Historischen Kommission der Verfassten Studierendenschaft in Berlin informiert die Ausstellung zur Bücherverbrennung am Ort des Geschehens über die Vorgeschichte, die Durchführung und die Einordnung der Bücherverbrennung. Sie zeichnet die geistes- und sozialgeschichtlichen Exklusionsstufen widerstrebenden Denkens, die Selbstgleichschaltung von Studierenden und Universität, die Wege ins Exil, in das KZ oder die innere Emigration an thematischen Schlaglichtern und biographischen Portraits nach. Im Mittelpunkt der Darstellung steht der nationalsozialistische Eifer zur systematischen „Tilgung“ des Andenkens, der Versuch einer kleinteiligen Beseitigung des Gedächtnisses an die zu Unpersonen erklärten Menschen und ihren Ideen.

Die Ausstellung ist vom 8. Mai bis zum 7. Juni 2013 im Foyer der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin zu besichtigen. Zur Ausstellungseröffnung am 8. Mai um 19 Uhr sind Interessierte herzlich eingeladen. Diese beginnt mit Grußworten von Prof. Reinhard Singer (Dekan der Juristischen Fakultät), Charlotte Thieme (Referentin für Politisches Mandat und Datenschutz im RefRat der HU) und Prof. Michael Kämper-van den Boogaart (Vizepräsident für Studium und Internationales), geht weiter mit einem Geleitwort von Dr. Bernd Schilfert (Humboldt-Initiative) und Dipl. Ing. Jürgen Breiter (Urban Curator – Initiator von „Ein Ort zum Lesen“), und gipfelt in einer Führung durch die Ausstellung mit Ralf Oberndörfer (HISTOX – Institut für Geschichtsarbeit).

Hier noch einmal alle Infos in Kurzform:

Ausstellungszeitraum            8. Mai bis 7. Juni 2013
Öffnungszeiten                      8.00 – 21.30 Uhr
Ort                                          Juristische Fakultät (Kommode)
Humboldt-Universität zu Berlin
Bebelplatz 1
10117 Berlin
Anfahrt                                  S/U-Bhf. Friedrichstraße
U-Bhf. Französische Straße
Tram M1, 12
Bus 100, 200, TXL

Kommentare:

  1. wow, sehr schöne "Vorstellung", hatte ganz ehrlich zwar die geschichte mit der bücherverbrennung gekannt, aber das bild mit den Glasplatten im Boden hatte ich vorher noch nie gesehen!

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  2. Argh zu weit weg. Da zeigt sich wieder, das Leben ist kein Ponyhof.

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  3. Toller, abwechslungsreicher Post!
    Mal was ganz anderes als Mode&Beauty standardkrams.
    wirklich interessant :-)

    Love, L

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    1. Aber hier ging`s doch noch nie um Mode... mhhh

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  4. Schade, dass es so weit weg ist!
    und ich glaube was Miss Glamurosa meinte ist, dass es sonst nur noch Modeblogs gibt und deiner schön aus der masse heraussticht :))

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  5. Ich finde es total wichtig, immer wieder daran zu erinnern... "Schöner" Post über ein unschönes Thema!
    Beste Grüße,
    Marie

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