Sonntag, 23. Juni 2013

Thema des Monats "Deutsche Verlage" II



Teil II: Was kostet ein Buch?



Bücher sind heute teilweise echte Luxusgüter. So zahlt man für manche Neuerscheinungen im Hardcover bis zu dreißig Euro. Deshalb warten viele Leser den ersten Hype um ein Buch ab und greifen etwas später zur preiswerteren Taschenbuchausgabe. Doch wer bekommt all dieses Geld, welches wir für ein Buch löhnen?

Folgende Rechnung zeigt beispielhaft, wer wie viel an einem Buch verdient bzw. was wie viel an einem Buch kostet.
Bruttoladenpreis
14,90 Euro
Vertriebskosten
8,36 Euro
Autorenhonorar
1,25 Euro
Lektorat und Korrektorat
0,24 Euro
Umschlaggestaltung und Satz
0,31 Euro
Buchdruck
1,98 Euro
Werbung
0,20 Euro
Verlag
1,59 Euro

Damit bekommen die Autoren in diesem Beispiel ganze 10 % des Verkaufspreises ihres Buchs – und damit sind sie schon gut bedient. Denn üblich sind Werte zwischen 5 % und 10 %. Was? Nur so wenig wandert in die Tasche des Autors, denkt ihr… wo er sich doch mühsam einen Plot erdacht hat, Figuren konstruieren musste und ewige Stunden an seiner perfekten Sprache feilte?

Hier sollte man allerdings nicht vergessen, dass von so einem Buch nicht nur der Autor leben muss. Auch die Druckerei oder das Lektorat wollen bezahlt werden. In dem oben aufgeführten 1,59 € Gewinn des Verlags müssen weiterhin noch Mieten bezahlt oder etwa Buchmessen ausgerichtet werden. So fällt im Enddefekt auch für den Verlag der echte Gewinn nicht allzu groß aus. Erst ein Bestseller, mit einer Auflage um 100.000 gedruckte Exemplare, spült wirklich Geld in die Kassen des Verlags. Bei jeder Veröffentlichung besteht für einen Verlag ein gewisses Verkaufsrisiko. Denn er zahlt sämtliche Kosten, wie etwa den Druck, in Vorleistung, d.h. wenn das Buch nicht gut verkauft wird, bleibt der Verlag auf den Exemplaren und auf seinen Kosten sitzen.

So hört man heute immer wieder von sogenannten Druckkostenzuschlag-Verlagen. Diese fordern vor dem Druck eines Werkes vom Autor eine gewisse Beteiligung an den Kosten. Diese Verlage haben allerdings einen durchweg schlechten Ruf, da ihnen nicht nur Geldmacherei nachgesagt wird, sondern zudem auch eine oftmals ungenügende Lektoratsarbeit und eine mangelhafte Betreuung der Autoren. Trotzdem fallen viele Autoren auf diese Verlage herein und gehen mit mehreren tausend Euros in den Vorschuss, um ihr Buch irgendwann in den Händen halten zu können. Sollte sich ein Buch anschließend schlecht bis gar nicht verkaufen, ist das Ergebnis für den Autor vorhersehbar: er hat entgegen seines Wunsches nicht an seinem Buch verdient, sondern einiges an Geld verloren.

Deshalb hat sich vor allem in den letzten Jahren eine weitere Form der Publikation etabliert: die Eigenpublikation. Hier sind Autoren selbst für all diejenigen Aufgaben zuständig, die sonst der Verlag übernehmen würde. Einzig das Drucken wird von einem Dienstleister übernommen. So muss ein Autor sich selbst um die optimale Form des Textes, die Umschlaggestaltung oder die Werbung zu seinem Buch kümmern. Er muss sich selbst an Buchhandlungen wenden oder Pressearbeit leisten. Im Gegenzug erhält er aber den kompletten Gewinn von seiner Veröffentlichung.  Unzählige Anbieter konnten sich in den letzten Jahren etablieren, die das Selfpublishing für jedermann möglich machen. Und genau hierin ergaben sich neue Probleme:
Zum einen kann nun jeder Interessierte sein eigenes Buch veröffentlichen: Ob der Hobbyschriftsteller, der auf den großen Durchbruch hofft, oder die Vollzeit-Mama von nebenan, die in einer Woche alles zu Papier gebracht hat, was ihr auf die Schnelle einfiel und die jetzt auf etwas Taschengeld hofft. Einfach jeder kann sein Buch mit einer eigenen ISBN auf den Markt bringen. Damit haben die sogenannten Eigenpublikationen in den vergangenen Jahren längst den Ruf von „schlechter Literatur“ bekommen. Dies schadet natürlich vor allem denjenigen Autoren, die es mit einer Eigenpublikation zum ersthaften Autor bringen wollen. Seit Kurzem gibt es deshalb das Autoren-Korrektiv Qindie. Hier werden all diejenigen Selfpublishing-Autoren ausgezeichnet, welche durchaus „lesenswerte“ Eigenpublikationen hervorbringen. Damit soll der Unterschied zwischen „echter Literatur“ und „schnell auf den Markt geschmissener Text“ auch für den Laien und den Lesern sichtbar werden.
Zum anderen haben auch die deutschen Verlage mit der neuen Erscheinung der Eigenpublikationen zu kämpfen. Denn teilweise kämpfen sie um ihre guten Autoren und sehnen sich nach niveauvollen Manuskripten. Immer mehr auch etablierte Autoren kehren den Verlagen den Rücken und publizieren ihre Manuskripte fortan selbst. Somit verlieren die Verlage ihre sicheren Einnahmequellen und es wird immer schwieriger für sie, zu überleben.

Ihr seht also: Deutsche Verlage haben mit einigen Problemen zu kämpfen. Viele davon sind erst durch die neuen Möglichkeiten entstanden, welche sich durch das Internet bieten. Im kommenden Post wird die Öffentlichkeitsarbeit in den Verlagen thematisiert. Was ist Öffentlichkeitsarbeit überhaupt? Was leistet man diesbezüglich innerhalb des Verlages – für den Verlag und für den Autor? Wie macht man gute Werbung für Bücher?
Zum Schluss noch einige Fragen an euch: Findet ihr den Anteil, welchen Autoren an ihrem Buch verdienen, gerechtfertigt? Wenn ihr ein Autor währt, für welche Art der Publikation würdet ihr euch entscheiden? Könnt ihr die hohen Buchpreise nun besser nachvollziehen?

Kommentare:

  1. Da ich davon keine Ahnung habe: Warum macht der Vertrieb fast 50% des Gewinnes - kannst du das noch näher ausführen?

    Wenn ich irgendwann mal was veröffentliche, dann vermutlich über das Self-Publishing, weil man nicht von einem Verlag abhängig ist, besonders was die Werbung betrifft - man muss sich viel selber kümmern, hat aber auch die Kontrolle und kann die neuen Medien optimal nutzen.

    Außerdem ist es schwerer, einen Verlag zu überzeugen als das eigene Ego :-)

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  2. Also der Vertrieb bekommt am meisten, weil dort die meisten Kosten entstehen: zu den Vertriebskosten zählen etwa Verpackungskosten oder Transportversicherungen. Denn ein Verlag verkauft seine Bücher ja nicht direkt an den Leser, sondern nimmt Kontakt zu Händlern (bspw. Amazon) oder Buchläden (bspw. Thalia, Hugendubel, Weltbild, Bertelsmann)auf, um in denen Sortiment das Buch zu integrieren. Wenn diese dann bereit sind, ein Buch zu "vertreiben", dann muss der Verlag "auf eigenen Kosten" die Buch-Exemplare in alle möglichen Richtungen versenden.
    Du kannst dir sicher vorstellen, dass das besonders teuer ist.... daher der hohe Anteil.

    Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten.

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    1. Im Übrigen handelt es sich bei den 50 % nicht um "Gewinn", wie du es nanntest, sondern um Ausgaben. Von den 14,90 €, was dieses Buch kostet, fließen ganze 8,36 € in den Vertrieb. Dieses Geld hat ja nicht der Vertrieb "verdient", sondern man muss damit Versicherungen oder das Versandunternehmen etc. bezahlen. Das ist hoffentlich klar geworden... "wer wie viel an einem Buch verdient" war von mir vielleicht falsch ausgedrückt.

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  3. wahnsinn wie das gesplittet wird

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