Sonntag, 7. Juli 2013

Jubel und Tränen in Klagenfurt



Katja Petrowskaja gewinnt den Ingeborg Bachmann-Preis 2013


© bachmannpreis.eu

Es war ein Tag des Jubels in Klagenfurt, denn es wurden fünf Preis vergeben. Der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg Bachmann-Preis ging an die in Kiew geborene Katja Petrowskaja, die nach der Bekanntgabe der diesjährigen Gewinnerin sichtlich mit den Tränen kämpfte. Die Jury entschied bereits im ersten Wahlgang mit vier von sieben Stimmen zugunsten ihres Textes Vielleicht Esther. In diesem erzählt die seit dem Jahr 1999 in Berlin lebende Schriftsteller die Geschichte einer Babuschka, die im Kiew des Zweiten Weltkriegs nach dem Einmarsch der Nazis zu überleben versucht. Obwohl Katja Petrowskaja ihren Text selbst viel zu „belobt“ von der Jury fand, sprach ihre Laudatorin Hildegard Elisabeth Keller in Bezug auf den Text sogar von einem „großartigen Geschenk an die deutsche Sprache“.

Bevor allerdings der Ingeborg Bachmann-Preis vergeben wurde, las man die Shortlist vor, auf der sich jene sieben Autoren und Autorinnen fanden, welche die Jury in den Lesungen der vergangenen Tage am meisten beeindruckt hatten. Genannt wurden neben Katja Petrowskaja Larissa Boehning, Roman Ehrlich, Verena Güntner, Heinz Helle, Benjamin Maack, Joachim Meyerhoff.

Der Kelag-Preis wurde nach einem zweiten Wahlgang an Verena Güntner verliehen, die in ihrer „gelungenen Rollenprosa“ eine Geschichte des Erwachsenwerdens erzählt. Über den 3sat-Preis, der ebenfalls in einem zweiten Wahlgang entschieden werden musste, konnte sich Benjamin Maack freuen, der von einem vorpubertären Jungen berichtet und darüber, Wie man einen Käfer richtig fängt. Auch der Preisträger des Ernst-Willner-Preises wurde nach einem zweiten Wahlgang ermittelt. Die Wahl fiel auf Heinze Helle, der in seinem Text Wir sind schön den Fluch des Individualismus im modernen Zeitalter thematisiert.

Der Publikumspreis, für welchen man im Internet abstimmen konnte, ging an Scherben schlucken von Nadine Kegele, die mindestens ebenso überrascht über ihren Gewinn war wie zuvor Katja Petrowskaja.

© bachmannpreis.eu

Den wohl größten Jubel in Klagenfurt gab es aber bereits vor den Preisverleihungen, da ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den Fortbestand der Tage der deutschsprachigen Literatur bekanntgab. Dies sei, so später auch Juryvorsitzender Burkhard Spinnen in seiner Abschlussrede, nicht zuletzt der Solidarität der Menschen zu verdanken, die sich in den vergangenen Wochen gemeinsam für den Ingeborg Bachmann-Preis und somit für Kultur im deutschsprachigen Raum ausgesprochen hatten.  

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