Freitag, 19. Juli 2013

Marita Sydow Hamann im Gespräch



Die Autorin spricht über Glück, Identitätssuche und ihrer Liebe zur Fantasyliteratur


 © Sophie Wolter

1. Wie würdest du dich charakterisieren?
Kreativ, neugierig (sehr), emotional, naturnah, tierlieb, ich liebe das Alleinsein, zuverlässig, ungeduldig, schnell genervt, fröhlich, mit beiden Beinen auf der Erde, vielseitig.
2. Niemals ohne…
Tiere. Ich hatte schon immer Haustiere. Von Rennmäusen bis zu Pferden. Ein Leben ohne Tiere könnte ich mir nicht vorstellen. Sie geben Wärme und Liebe, sie sind für dich da, wenn es kein anderer ist. Hunde sind mir die Liebsten. Sie sind immer froh dich zu sehen, auch dann wenn deine Laune echt mies ist.
3. Seit wann schreibst du und wie bist du dazu gekommen?
Im Grunde genommen schreibe ich seit Kindesbeinen an. Nur, dass die Geschichten früher in meinem Kopf stattfanden. In der Schule war ich in Aufsätzen besonders gut. Aber angefangen Geschichten auf Papier zu verfassen, habe ich erst als wir nach Schweden zogen. Ich schrieb einige Kurzgeschichten für Kinder. Der Gedanke einmal ein ganzes Buch zu schreiben reifte in mir. Er wurde zu einem fixen Traum. Doch es verging immer viel Zeit zwischen den kleinen Geschichten, ich hatte reichlich anderes zu tun. So machte ich hier in Schweden beispielsweise an der Abendschule mein "ABI" im Fach Schwedisch, nur für den Fall, dass ich mein Lehramtsstudium vielleicht hier beenden wollte. Dann folgte eine Ausbildung zur Persönlichen Assistentin, alles neben meiner Vollzeitarbeit.
Als ich später eine feste Stelle bei einer jungen Frau namens Jolene hatte, die viele Ruhepausen benötigte und meine Nebentätigkeiten auf ein Minimum geschrumpft waren, beschloss ich meinen Traum in die Tat umzusetzen. Ich begann mit der Recherche über Mythologien und Runen, entwarf einen roten Faden und schrieb mein erstes Kapitel. Ich erinnere mich noch sehr genau daran wie stolz ich war, als ich dieses Kapitel in Händen hielt. Jolene schaute mich nur unverständlich an, 20 Seiten? Das ist ja noch nicht viel … :D Aber es war mein Anfang! Ich begann Jolene von meinen Ideen zu erzählen. Sie war begeistert bei der Sache und kam mit eigenen Vorschlägen, die ich zum Teil in meine Geschichte einbaute. Wir hatten viel Spaß. Allerdings ging es mir gesundheitlich immer schlechter. Ich hielt durch, wie man das halt so macht. Als ich endlich kürzer trat, war es zu spät. Ich war völlig am Ende.
Das Schreiben wurde für mich zur Therapie. Mich in eine andere Welt zu versetzen, mich "auszuklinken", half mir die Schmerzen auszublenden. Das ist immer noch so. Schreiben ist für mich nicht nur Hobby oder Arbeit, es ist viel mehr. Ein Werk zu beenden, auf etwas zu blicken, das man selbst erschaffen hat, ist unglaublich gut für die Seele. Es macht zufrieden. Und hilft einem dadurch, unschöne Lebensumstände zu ertragen. Im Grunde genommen ist Schreiben für mich wie Schokolade, ein legales Suchtmittel, das Balsam für die Seele ist. Auch wenn niemand meine zukünftigen Bücher lesen würde, ich würde weiterschreiben, weil es mir Freude bereitet.
4. Warum lebst du heute in Schweden, schreibst aber in deutscher Sprache?
Ich bin ein Nordmensch. Ich bin nicht nur in Norwegen geboren, ich fühle mich im Norden auch zu Hause. Mein Mann stammt aus Schweden. Wir lebten beide in Deutschland, als wir uns trafen. Es stellte sich nie die Frage, ob wir in Deutschland bleiben, nur die Frage, ob wir nach Norwegen oder Schweden auswandern. Es wurde Schweden.
Deutsch ist meine Muttersprache. Egal wie gut man in einer Fremdsprache ist (ich spreche wirklich fließend schwedisch), wird man niemals den Wortschatz haben, wie in der Muttersprache. Beim Schreiben kommt es auf die Feinheiten der Sprache an, auf das zwischen den Zeilen lesen. So etwas erlernt man im erwachsenen Alter bei einer neuen Sprache nur schwer.
5. Woher stammt die Idee in Bezug auf die Handlung im Roman 'Die Erben der Zeit – Das Amulett'?
Ich liebe Fantasy und Science Fiction. Ich hatte eine vage Idee für ein Fantasy-Kinderbuch im Kopf. Um dem Ganzen Substanz zu verleihen, begann ich mich mit Mythologien zu beschäftigen und beschloss meine Geschichte in die nordische Mythologie einzubetten.
Zuerst gab es einen lückenhaften Plan um ein Mädchen, das aus einem Heim flieht und dann mit Hilfe von Feen und Magie zu sich selbst findet. Die Grundidee ist geblieben, doch sonst hat „Die Erben der alten Zeit – Das Amulett“ nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Plan zu tun. Es wurde auch kein Kinderbuch, sondern ein Jugendbuch ab 12 Jahre. Die Trilogie war keine fertige Idee, sondern ein Reifeprozess. Ich hatte zwar einen roten Faden, bevor ich begann – eine Mappe mit „abzuarbeitenden“ Punkten. Aber zu diesen Punkten kamen ständig neue Ideen und Wendungen hinzu. Ich beschreibe in meinen Büchern, was ich als „Film“ in meinen Gedanken sehe. Jeder einzelne Abschnitt wurde viel umfangreicher als ich es als ungeübte Autorin erwartet hätte. Bloßes Aneinanderreihen der Ereignisse wirkt seelenlos. Ich stellte also sehr schnell fest, dass ein einziges Buch nicht ausreichte, um meine Geschichte zu erzählen. Ich musste umdenken und beschloss eine Trilogie mit dem Namen „Die Erben der alten Zeit“ zu schreiben.
6. Warum nutzt du das Genre der Fantasyliteratur, um dich auszudrücken?
Wie ich schon sagte, bin ich selbst ein Fantasy- und Science Fiction- Fan. Ich liebe ein gutes Märchen, aber auch eine gute Liebesgeschichte und vor allem Happy Ends. Die Welt ist ernst genug, darüber brauch‘ ich nicht auch noch zur Entspannung lesen. Natürlich spiegelt sich diese Einstellung in meinen Büchern wider.
7. Wie sind die Namen der phantastischen Wesen im Roman entstanden? Folgt die Herleitung der Namen einem bestimmten Muster?
Meine Magier haben die schwedischen Namen von Göttern aus der nordischen Mythologie. Die Bewohner von Godheim tragen altnordische Namen, da dort eine Kultur ähnlich der Lebensweise im früheren heidnischen Norden herrscht. Die Bewohner von Euripides haben die Wissenschaft zur Perfektion getrieben, ein Wissen, dass sie den alten Griechen verdanken, daher tragen sie altgriechische Namen.
8. Die Protagonistin Charlie ist im Prinzip auf „Identitätssuche“, da sie nach ihren Eltern sucht und dem Ort, wo sie herkommt. In deinem Lebenslauf tauchen Orte wie Norwegen, Deutschland, Österreich, Spanien oder Schweden auf. Wie weit ist die Vermutung hergeholt, dass dich so einiges mit Charlie verbindet?
Nun, ich kenne meine Wurzeln, doch das ständige Umherziehen hat mir eine richtige Heimat vorenthalten. Ich bereue das nicht, ich habe viel dabei gelernt. Doch ganz falsch liegst du mit deiner Vermutung natürlich nicht. Ich habe mich erst hier in Schweden richtig selbst gefunden. Anfangs habe ich auch hier herumexperimentiert, meist künstlerisch, und neben meiner Arbeit zum Geld verdienen ständig etwas Neues angefangen, bis ich endgültig beim Schreiben landete. Die Schriftstellerei mit all ihren Herausforderungen begeistert mich, sie wird nie langweilig. Ich brauche viel Abwechslung, um bei einer Sache zu bleiben. Geschichten zu erfinden, Cover zu entwerfen, Illustrationen anzufertigen und mich um den Vertrieb der Bücher zu kümmern, gibt mir die Zufriedenheit, die ich zum Leben brauche. Ich werde also auch dann weiterschreiben, wenn nur wenige Leser Freude an meinen Büchern haben sollten. Es macht mich glücklich!
Vielen Dank!
Ich danke dir ganz herzlich, dass ich hier sein durfte!

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