Sonntag, 28. Juli 2013

Thema des Monats "Das Grimm-Jahr 2013" III



Der Wert von Märchen damals und heute – Gespräch mit Heinz Körner


 © lucy körner verlag

War der Begriff der Märchen im Mittelalter noch mit der Bedeutung einer lügenhaften Geschichte versehen, so bildete sich im 19. Jahrhundert, maßgeblich vorangetrieben durch die Brüder Grimm, der heutige Märchenbegriff heraus, wonach es sich bei einem Märchen um eine wunderbare Erzählung handelt.

Die Brüder Grimm trugen mit Freunden und Bekannten all die Geschichten zusammen, die sie dann als Kinder- und Hausmärchen herausgaben. Sie notierten die Geschichten der einfachen Leute aus den Dörfern, aber auch die Geschichten der gebildeten Bürger, welche diese ihnen in ihrer Studierstube mitteilten. Manche davon stammten aber nicht aus deutschen Quellen, sondern aus Italien oder Frankreich. Auch Aufzeichnungen von befreundeten Gelehrten fanden ihren Eingang in die Märchenaufzeichnungen.
Jacob und Wilhelm Grimm schrieben das ihnen Erzählte aber nicht getreu auf, sondern gestalteten es nach ihren Vorstellungen um. Sie legten den Texten ihre eigenen Gesetze und Regeln auf. So wurden etwa obszöne, sozial- religionskritische Elemente eliminiert, ebenso wie schlecht Erzähltes oder Widersprüchliches.

Das Eigentümliche der Grimmschen Märchen ist das Wunderbare und Unwirkliche, welches im Widerspruch zur Wirklichkeit steht. Zwar sind die Träger der Märchenhandlung meist gewöhnliche Menschen, doch wird dieses Gewöhnliche mit dem Wunderbaren in Verbindung gebracht, indem etwa Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden. Zudem sind Ort und Zeit der Märchen unbestimmt und es gibt keine individuellen Persönlichkeiten. Vielmehr treten Stereotypen auf sowie eine klare Trennung zwischen 'gut' und 'böse', 'arm' und 'reich' oder 'jung' und 'alt'.

So wird die Welt in den Märchen mit einer Ordnung versehen und die Träume der Menschen nach Aufstieg und Gerechtigkeit gehen in Erfüllung. Dadurch werden den Menschen feste Wert- und Weltvorstellungen vermittelt. Besonders für Kinder seien Märchen wertvoll, da sie ihnen die Möglichkeit bieten, reale Konflikte in der Phantasie probehalber zu bewältigen und somit zur Selbstfindung und seelischen Gesundheit beizutragen. Zudem werden Kinder in Märchen mit den grundlegenden menschlichen Nöten wie Tod oder Alter konfrontiert.

Aufgrund dieser Werte der Märchen arbeitet man heute vor allem an ihrer Bewahrung. Nicht nur Organisationen sondern auch einige Schriftsteller setzen sich vermehrt dafür ein, dass Märchen wieder verstärkt in das Bewusstsein der Menschen treten. So etwa Heinz Körner, der zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren zählt. Bekanntheit erlangte er vor allem mit seinem Erstlingswerk Johannes, welches in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Bereits im Jahr 1983 gab er eine Märchensammlung mit dem Titel Die Farben der Wirklichkeit heraus, weitere folgten. In einem Interview sprach Heinz Körner über die Bedeutung der Märchen – damals und heute:



Die Qualität des Interviews ist zwar nicht optimal, aber ich hoffe, dass es euch trotzdem gefallen hat und freue mich über eure Kommentare dazu…

An dieser Stelle möchte ich euch schon auf den kommenden Dienstag aufmerksam machen, da ich dort bei dem kanadischen Radiosender CKCU FM 93.1 zu Gast sein werde. Dort hört ihr viele weitere Informationen zu den Brüdern Grimm, ihrem Schaffen und dem Grimm-Jahr 2013 in Deutschland genau um 15:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit in den Literary News. Hier könnt ihr mithören: http://ckcu.magma.ca/listenlive.html oder auch http://www.ckcufm.com/sites/default/themes/ckcu/ckcuradio.php. Morgen wird es dazu einen gesonderten Post geben, in dem ihr mehr erfahrt.

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