Dienstag, 27. August 2013

Bestsellerautor Wolfgang Herrndorf verstorben



 Tschick und Sand waren seine größten Erfolge

© die jeweiligen Verlage

Der im Jahre 1965 geborene deutsche Schriftsteller, Maler und Illustrator Wolfgang Herrndorf wurde bereits im Jahr 2002 mit seinem Debütroman In Plüschgewittern bekannt. Zwei Jahre später überraschte er die Jury beim Ingeborg-Bachmann-Preis mit seiner Kurzgeschichtensammlung Diesseits des Van-Allen-Gürtels und bekam dafür den Publikumspreis. Sein Bildungsroman Tschick erschien im Jahr 2010 und wurde über Nacht zum Bestseller, der ihm die Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse einbrachte. Zwar konnte er den Wettbewerb nicht für sich entscheiden, doch wurde der Roman dennoch mit dem Clemens-Brentano-Preis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Im folgenden Jahr gelang es Wolfgang Herrndorf dann mit Sand  den Preis der Leipziger Buchmesse zu gewinnen, zudem war er mit diesem Roman auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises vertreten. Bereits zu dieser Zeit sah er sich allerdings nicht mehr in der Lage, den Preis aufgrund seines Gesundheitszustands persönlich in Empfang zu nehmen. Zuvor war bei Herrndorf ein bösartiger Hirntumor festgestellt worden. 

Seit September 2010 schrieb er das digitale Tagebuch Arbeit und Struktur, in dem er literarische Fetzen aus seinem Alltag hinterließ und über den Fortgang seiner Krankheit informierte. Hier wenige Auszüge:

18.3.12 14:30
Erster Sommertag, ganzen Tag Kopfschmerzen. Drei Tage kein tierisches Eiweiß, heute überhaupt nichts gegessen wegen PET-CT. Kostet 2000 Euro: "Zahlen Sie bar oder mit Karte?" Tut mir leid, könnte man mir das vorher sagen, daß ich jetzt mit Plastiktüten voller Geld in die Arztpraxis kommen muß? Jetzt kann ich morgen wieder hin und meinen Befund kaufen.

9.10.12 10:41
Die Spatzensituation ist nicht optimal. In der Frühe schon rotten die Vögel sich auf der Terrasse zusammen, picken in meinen Frühstückskrümeln aber nur lustlos rum. Sonnenblumenkernbrot geht so, Brötchen kaum, Schwarzbrot gar nicht. Aus sympathetischen Gründen hatte ich eine Weile angenommen, was mir schmeckt, müsse auch ihnen schmecken. Aber um die zerbröselten Pfeffernüsse hopsen sie nur einäugig herum. Mein Supermarkt führt kein Vogelfutter. Fünf Kilo auf Amazon bestellt

23.7.2013 21:00
Die Libelle, die ich gestern am Terrassenfenster sah und der ich den Weg ins Freie mehrfach gewiesene hatte, bis sie für mich nicht mehr zu finden war.
Jetzt liegt sie auf den Fliesen. Ich beobachte das Wunderwerk auf dem Boden. Es liegt in den letzten Zügen. Nur ein Beinchen zuckt noch. Oder auch nicht. Ich trage das Insekt vorsichtig in eine windgeschützte Ecke der Terrasse. Ich plaziere einen winzigen Wassertropfen nah an seinen Mund und beobachte lange die vielleicht nur noch vom Wind bewegten Arme.
Sie ist tot.
Ich schiebe den Leichnam in eine Streichholzschachtel. Mit C. bestatte ich die Libelle am Ufer.

In der Nacht zum 27. August starb Wolfgang Herrndorf, doch nicht direkt an den Folgen seiner Krankheit. Seine enge Vertraute Kathrin Passig twitterte Folgendes:


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