Freitag, 2. August 2013

Zweiter Teil des Autoreninterviews mit Anna Radovani



Zwischen den Zeilen bei… Der Walnussbaum


 © Anna Radovani

1. Der Roman behandelt ein ernstes Thema, nämlich die Kriegswirren in Jugoslawien in den 1990er Jahren. Warum hast du dich für dieses Thema entschieden?
Ich bin gebürtige Kroatin. Ich hatte zwar damals wie auch heute keine enge Beziehung zu dem Land, aber der Krieg hat mich sehr beschäftigt. Meine Verwandtschaft hat sehr gelitten, viele Bekanntschaften und Freundschaften sind wegen dieses Krieges auseinandergegangen. Eines Tages kam mir einfach diese Idee, ich habe mich hingesetzt und die Geschichte niedergeschrieben. Die Zeit, in der ich den „Walnussbaum“ geschrieben habe, zählt zu den schönsten meines Lebens.

2. Den politischen Ereignissen wird im Roman die Liebesgeschichte zwischen Nella und Nik gegenübergestellt. Gab es realgeschichtliche Ereignisse, die in diese Handlungskopplung einflossen?
Viele fragen mich, ob es ein autobiografischer Roman sei. Wahrscheinlich hängt das mit der Ich-Erzählperspektive zusammen. Der „Walnussbaum“ ist eine interessante Mischung aus Realem und Erdachtem. Den Baum gab es wirklich – und mehr verrate ich nicht.

3. Trotz hochwertiger Qualität auf der sprachlichen Ebene und thematischer Brisanz fand der Roman keinen großen Verlag. Wie wurde dir das erklärt? Oder: Wie würdest du dir das erklären?
Mein Manuskript war fertig, da tobte der Krieg noch im ehemaligen Jugoslawien. Die Geschichte war damals noch zu aktuell – und das war auch der Grund für fast alle Absagen. Dass ich schließlich bei einem Kleinverlag gelandet bin, der nichts für das Buch getan hat, lag an meiner Ungeduld. Ein großer und namhafter Verlag hatte das Manuskript in die enge Wahl genommen, aber ich wollte die Entscheidung nicht abwarten und sagte dem kleinen Verlag zu. So bin ich eben.
  
4. Würdest du dich auch in Zukunft für die selbständige Veröffentlichung eines Projektes entscheiden? Oder hoffst du bei deinem nächsten Roman erneut auf einen Verlag?
Ich finde es einfach wunderbar, dass man heute sein eigener Verleger sein kann. Diese letzten Monate als Indie-Autorin waren so spannend für mich, so voller wunderbarer Momente, dass ich jeden nur ermutigen kann, diesen Weg zu gehen. Allerdings: Will man wirklich wahrgenommen werden, muss man viel Zeit in die eigene Werbung investieren. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Auch ich tue mich da schwer. Dennoch will ich keinen Verlag für meinen neuen Roman suchen. Wozu? Ich habe in den letzten sechs Monaten mehr Bücher selbst verkauft als damals über den Verlag in zwei Jahren. Ich habe direkten Kontakt zu meinen Lesern. Und ich werde gebeten ein Interview wie dieses zu geben. Welcher Verlag würde das einer unbekannten Autorin schon anbieten?

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