Donnerstag, 5. September 2013

Rezension zu "Die Verwahrten" von Susanne Preusker



Nichts für schwache Nerven




© Krimythos Verlag

Im Dezember 2012 erschien das dritte Buch der Autorin Susanne Preusker unter dem Namen Die Verwahrten. Darin wendet sie sich einem schwierigen Thema zu: der Sicherheitsverwahrung von Straftätern.

Susanne Preusker wurde im Jahr 1959 in Hildesheim geboren. Sie arbeitete fünfzehn Jahre lang als Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Gutachterin in verschiedenen Justizvollzugsanstalten, zuletzt als Leiterin einer sozialtherapeutischen Abteilung für Sexualstraftäter in Bayern. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde sie im April 2009 in der JVA Straubing von einem verurteilten Frauenmörder für sieben Stunden als Geisel genommen und mehrfach vergewaltigt. Zuvor hatte sie ihn mehrere Jahre zu therapieren geglaubt. Diese Tat fand zehn Tage vor Susanne Preuskers Hochzeit statt und veränderte ihr Leben. Ihre Erlebnisse schilderte sie in dem im Jahr 2011 erschienenen Buch Sieben Stunden im April. Heute lebt sie mit ihrer Familie als Autorin in Magdeburg.

In dem Roman Die Verwahrten wird die Geschichte mehrerer Strafgefangener erzählt, die kurz nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis spurlos verschwinden. Während diese Tatsache zu Beginn von der Polizei und auch der Politik schlicht hingenommen wird, muss später aufgrund des steigenden öffentlichen Drucks die Suche nach den Vermissten eingeleitet werden. So beginnt für die über weite Strecken halbherzigen Ermittler ein Wettlauf gegen die Zeit.

Der 295 Seiten starke Roman von Susanne Preusker überzeugt vom ersten Satz an durch seine schonungslos detailreichen Schilderungen der Handlungsmilieus. Nach der Schilderung der Zellen etwa, in denen die vermissten Straftäter gefangen gehalten werden, hat der Leser über weite Strecken das Gefühl, sich selbst in so einer Zelle zu befinden. Folgendes Zitat zeigt das:

„Es ist dämmrig. Feuchtkalt. Muffig. Autogeräusche von irgendwo. […] Ab und an ein Motorrad oder ein Trecker. Trecker hört er oft. Vor einiger Zeit muss es geregnet haben. Er hört das an den Fahrgeräuschen. Nass. Irgendwie anders. […] Sie verändern sich ständig, die Geräusche. Und manchmal verbinden sie sich zu einer Art Geräuschband […] Sechs Schritte unter einer fahlen Glühbirne. Sie leuchtet nie. Fahles Licht. Die Wände gemauert, grob geputzt, rissig. An manchen Stellen blättert der Putz ab. Ein Lichtstrahl hoch oben, milchig verglast, unerreichbar, fern.“ (Ähnliche, aber tiefgründigere Schilderungen sind selbst nachzulesen und wirklich lesenswert!)

Nicht nur die Atmosphäre sondern auch das Empfinden der Gefangenen ist nachvollziehbar. Als Leser wird man hin- und hergeworfen zwischen Mitleid, mit einem entführten und unter den extremsten Bedingungen eingesperrten Mann, und Genugtuungsgefühlen, gegenüber einem Frauenmörder, Kinderschänder und Vergewaltiger. Susanne Preusker trifft mit ihren Worten direkt in Herz – und auch ins Gehirn. Denn ihr Roman wühlt auf, lässt mitfiebern und regt vor allem zum Denken an.

Einziges Manko in meinen Augen sind die im Roman durchnummerierten Szenen. Sowohl in arabischen als auch in römischen Zahlen wird munter nummeriert. Für mich als Leserin blieb allerdings bis zum Ende unschlüssig, nach welchem Prinzip dabei vorgegangen wurde oder welcher Aufbau mir dadurch angezeigt werden soll: Zu vermuten ist die Aufteilung nach vergangenen Tagen, doch das hätte klarer gezeigt werden können.

Insgesamt aber ist Die Verwahrten ein starker Roman: „runde“ Charaktere, interessanter Plot, messerscharfe Worte, durchgehende Spannung und ein überraschender Schluss. Trotzdem seien ruhige Geister gewarnt: Der Roman ist nichts für schwache Nerven.

An dieser Stelle möchte ich euch auf eine Dokumentation aufmerksam machen, in der Susanne Preusker und ihre Familie über die Stunden sprechen, die das Leben aller veränderten. Sie besuchen dabei Orte der Vergangenheit. Sehr sehenswert. 

1 Kommentar:

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