Montag, 21. Oktober 2013

Autoreninterview mit Margarita Kinstner



Wer ist… Margarita Kinstner


 
© Thomas Wollinger

1. Die wohl meist gestellte Frage: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Ich habe schon als Volksschulkind geschrieben. Dazu spielte ich grässliche Lieder auf der Gitarre. Später kamen dann Geburtstagsgedichte für Verwandte und mit 13 schrieb ich einen Pferderoman. Als ich 14 war, verfasste ich mit meiner Tante das „Ritterliche Trauerspiel“ – eine Parodie auf unsere Familie. Meine Englischlehrerin nervte ich mit Hausübungen von mindestens 20 Seiten, sie war die erste, die eine Zeichenbegrenzung von mir einforderte. Schon während meiner Schulzeit gab es eine Unzahl von Romananfängen, aber fertig wurde nie einer. Mit 23, als ich erkannte, wie viele schreiben und wie schwer es ist, tatsächlich veröffentlicht zu werden, verlor ich den Mut und hörte auf. Nach sechs Jahren merkte ich jedoch, dass etwas fehlte. Damals begann ich mit dem ersten Wurf der Beziehungsgeschichte zwischen Marie und Jakob. 2007 lernte ich dann die Mitglieder des Grazer Autorinnen und Autoren Kollektivs (GRAUKO) kennen. Die Freundschaft zu diesen Menschen, die bis heute die härtesten Kritiker meiner Texte sind, hat mein Schreiben sehr verändert. Damals begann ich, mein Manuskript neu zu schreiben und merkte, dass ich endlich zu meiner Sprache fand und „Mittelstadtrauschen“ auch ganz eindeutig die Geschichte war, die von mir geschrieben werden wollte. Das hatte ich davor noch nie so intensiv gespürt.

2. Du wurdest in Wien geboren. Welchen Bezug hast du zu dieser Stadt? Und inwieweit deckt sich dein persönliches Bild der Stadt mit jenem, welches durch den Roman „Mittelstadtrauschen“ vermittelt wird?
Das Wien-Bild in meinem Roman ist ein sentimentales Hans-Moser-Wien, in das ich neumodische Graffitis gemischt habe. Wien ist grantig und legt sich einem als Nebel über die Seele. Den Gemütszustand, der dann dabei rauskommt, nennt man dann Melancholie. Gleich Marie, habe ich mich in Wien nie beheimatet gefühlt. Ich mag die Landschaft und die Leute hinter dem Semmering lieber. Das Hügelige, das Grüne, das Aufgeschlossene, das Gemütliche. Graz ist die Stadt, die meinem Herzen immer näher war. Vielleicht wage ich es einmal, dorthin zu ziehen. Obwohl man ja immer Gefahr läuft, im Alltag anders zu denken.

3. Du bist nicht nur als Romanautorin, sondern auch als Herausgeberin und Redakteurin tätig. Wie koordinierst du all diese Tätigkeiten? In welcher fühlst du dich am wohlsten?
Das alles sind Herzensprojekte, die neben dem Brotjob laufen. Ich habe drei Jahre eine wöchentliche Lesereihe betreut, so kam ich zur Literaturzeitschrift „& Radieschen“, für die ich noch immer das Layout gestalte und eine Kolumne schreibe. Über diese Skills habe ich mich dann 2010 an „Margas Magazin“ gewagt, eine lese- und schreibpädagogische Kinderzeitung, die Impulse für kleine Geschichten und spannende Illustrationen  liefert. In meinem Magazin gebe ich jene Erfahrungen weiter, die ich selbst als Pädagogin gesammelt habe. Obwohl ich sehr lernschwache SchülerInnen in meinen Gruppen hatte, hat meinen Schützlingen das Gestalten von Bilderbüchern immer sehr großen Spaß gemacht. Kinder werden oft unterschätzt. Wenn man sie aktiv sein lasst, kann man sie eigentlich sehr schnell für etwas begeistern, das auf den ersten Blick langweilig klingt – wie Lesen und Schreiben.
Das Illustrieren ist mein Ausgleich zum Schreiben, aber wenn alles zusammenkommt, sitze ich manchmal bis 4 Uhr nachts und stehe um 9 Uhr wieder auf. Ich werde mir deshalb ein bis zwei Jahre Auszeit vom Brotberuf gönnen – vor allem, um endlich Zeit für den nächsten Roman zu haben.

4. Welches sind für dich persönlich die besten und wichtigsten Bücher, die du je gelesen hast?
Jedes Buch hat seine Zeit – und Bücher, die mir früher sehr viel bedeutet haben, faszinieren mich heute oft gar nicht mehr so. Der erste Autor, der mich wirklich faszinierte, war Milan Kundera. Dann kamen Zeruya Shalev und Yael Hedaya. Danach habe ich hauptsächlich österreichische AutorInnen gelesen. Elfriede Jelinek, Robert Menasse, Marlene Streeruwitz, Robert Schindel, Peter Henisch, Franzobel, Angelika Reitzer, Clemes Setz – um nur einige zu nennen. Sophie Reyer mag ich zum Beispiel ganz besonders. In letzter Zeit merke ich aber, dass ich mir das Romanlesen abgewöhne. Schlecht geschriebene Bücher mag ich nicht und gut geschriebene mischen sich zu sehr in meinen eigenen Sprachrhythmus. Im letzten Jahr habe ich hauptsächlich Sachbücher gelesen. 
In den nächsten Tagen erscheint der zweite Teil des Interviews, in dem Margarita Kinstner über ihren Roman Mittelstadtrauschen spricht. Hinweisen möchte ich schon heute auf Margaritas Website, die ihr unter rentsnik.wordpress.com erreichen könnt.

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