Dienstag, 1. Oktober 2013

Rezension zu Nikola Hahns "Der Garten der alten Dame"


Ein modernes Märchen, das zum Träumen einlädt


© Thoni Verlag

Die im Jahr 1963 geborene Nikola Hahn ist neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Kriminalkommissarin auch an der Polizeiakademie in Hessen tätig. Dort führt sie in Vernehmungstechniken ein und spricht über unsere subjektiv gefärbte Wirklichkeit. Mit dieser beschäftigt sie sich auch während ihrer Tätigkeit als Autorin von Lyrik, Kurzprosa und Romanen. Bekanntheit erlangte Nikola Hahn durch ihre Kriminalromane Die Detektivin und Die Farben von Kristall, in denen sie die Anfänge der kriminalistischen Arbeit in Deutschland lebendig werden lässt.

Auch in ihrem im Februar 2013 erschienenen Roman Der Garten der alten Dame setzt sich die Autorin mit der von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Wahrnehmung, Verarbeitung und Bewertung der Umwelt auseinander. Protagonistin der Geschichte ist die kleine Eli, die sich mit der Trennung ihrer Eltern abfinden muss. Ihr altes Leben zerbricht und plötzlich ist alles anders: Eli wohnt mit ihrer Mutter allein in einem kleinen Haus in der Vorstadt, ihren geliebten Geschichtenerzähler „Paps“ sieht sie nur noch gelegentlich und neue Freunde sind weit und breit nicht in Sicht. Einzig Emma, die sich mit Eli den Schulweg teilt, erhofft sich Elis Gunst, sodass diese sich gezwungen sieht, Emma mit der ein oder anderen Lüge auf Distanz zu halten. Denn was keiner ahnt: Eli hat aus der für sie trostlosen Welt schon längst einen Ausweg gefunden. So klettert sie immer mal wieder durch einen kleinen Mauerspalt in den Garten eines alten und verlassenen Hauses, um die alte Dame und ihre Freunde zu besuchen. Doch nehmen Elis Abenteuer nach Lügen, Betrug und einschneidenden Veränderungen ein jähes Ende…

Nikola Hahn entführt die Leser mit Der Garten der alten Dame in eine völlig neue Welt. Es ist die Welt der Phantasie und der Magie, in der das Träumen erlaubt und das Fühlen erwünscht ist. So begegnen dem Leser in der Geschichte wie selbstverständlich Trolle oder sprechende Lokomotiven. An vielen Stellen fragt man sich, was nun Traum und was nun eigentlich Wirklichkeit ist. Die Autorin schafft es, die Grenzen zwischen diesen Welten zu verwischen und kreiert damit einen ganz eigenen Ton, der sich über den Text legt. Auf interessante Weise flechtet sie zudem Informationen aus der Pflanzenkunde so in den Text mit ein, dass sie ihn bereichern aber nicht erdrücken.

Als ein Manko erschien mir allerdings der Plot der Erzählung. Denn für meinen Geschmack fehlt es der Geschichte stellenweise an Spannung, insbesondere dann, wenn die Dialoge etwas ausarten. Und auch die künstlerische Gestaltung des Buches konnte mich nicht auf ganzer Linie überzeugen. Zwar bemerkt man als Leser sofort die Liebe und Genauigkeit, mit der im Buch Texte und Zeichnungen, Zitate und bearbeitete Fotografien ineinander gearbeitet wurden, doch hätte ich für meinen Geschmack mir eine klarere Linie bei der Gestaltung gewünscht. Loben muss man allerdings das Lektorat, welches der Text genossen hat, denn ich habe selten ein selbstverlegtes Werk in solch stabiler Qualität gelesen.

So hält der Leser mit Der Garten der alten Dame ein modernes Märchen in der Hand, welches durchaus lesenswert und empfehlenswert ist. Die kleinen angemerkten Kritikpunkte richten sich sicherlich nach dem persönlichen Geschmack eines jeden Lesers.
 
Ich danke der lieben Nikola herzlich für dieses Rezensionsexemplar mit Signatur! ;) In den nächsten Tagen wird es ein tolles Interview für euch geben, in dem Nikola über ihre Arbeit und ihren eigenen Verlag spricht. Ihr dürft gespannt sein...


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