Dienstag, 19. November 2013

Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing verstorben



Starke Meinungen bis zum Schluss


© AP

Die als weibliches Pendant zu Günter Grass geltende Schriftstellerin wurde erst im Alter von 88 Jahren mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, als ihre berühmtesten Veröffentlichungen wie Das Goldene Notizbuch bereits mehrere Jahrzehnte zurücklagen. Nun ist die gebürtige Iranerin im Alter von 94 Jahren in London verstorben.

Doris May Tayler, so der Geburtsname der Schriftstellerin, schrieb über Afrika, Frauenrechte und Politik. In ihrem Goldenen Notizbuch setzte sie sich für den Feminismus ein, ohne jedoch eine „feministische Trompete“ sein zu wollen. Lessing erzählt in dieser 1962 erschienenen Arbeit von politisch engagierten, intellektuellen und emanzipierten Frauen. Als die Arbeit 1968 zum Manifest des Feminismus wird, erklärte Lessing: „Ich wollte keinen feministischen Essay, sondern über das Leben von Frauen schreiben“.
Bereits ihr Debütroman Afrikanische Tragödie wurde bei seinem Erscheinen 1950 gefeiert, gab die Schriftstellerin darin erstmals der in Zentral- und Südafrika herrschenden weißen Minderheit sowohl Gesicht als auch Stimme. Sie erzählt darin vom Rassismus im kolonialen Afrika, von Gewalt, Krieg und Herrschaftsverhältnissen.

Was Leben, Werk und Rezeption der Schriftstellerin betrifft, herrschte darin vor allem das Prinzip der Ungleichzeitigkeit. Wurden ihre ersten Bücher lediglich in Großbritannien gewürdigt, so wurden sie erst Jahre nach ihrem Erscheinen weltweit bekannt. Und erst gegen Ende ihrer schriftstellerischen Karriere wurde Doris Lessing als „Epikerin der weiblichen Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat“ mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Ebenso überraschend wie die verspätete Auszeichnung war auch Doris Lessings Reaktion darauf. Oh Gott, haben sie das über mich gesagt? war eine harmlose Frage, die der Aussage: „ Ach, herrje… Den Nobelpreis kann man niemandem verleihen, der tot ist, also haben sie sich wahrscheinlich gedacht, die geben ihn mir, bevor ich abkratze, folgte.

Bis zuletzt überzeugte die Schriftstellerin sowohl in Texten als auch in Interviews mit starken Meinungen. In ihrem letzten Interview mit dem britischen Telegraph äußerte sie den Wunsch, eines Tages über ihre Katze Yum-Yum zu stolpern und so zu sterben: „Es wird mir gefallen, tot zu sein. Es wird mich davon erlösen, mich wegen all dieser Kriege [gemeint waren die Terroreinsätze nach dem 11. September und die Geschichte der IRA] zu sorgen."

1 Kommentar:

  1. Klingt nach einer wirklich sehr interessanten und bewundernswerten Frau!

    Liebst,
    Lea

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