Freitag, 1. November 2013

Rezension zu Dagmar Fohls "Palast der Schatten"



Ein historischer Liebeskrimi mit Zugangsschwierigkeiten


 © Gmeiner-Verlag GmbH

Die 1958 in Horst geborene Dagmar Fohl ist seit dem Jahr 2000 als Schriftstellerin tätig. Sie schreibt historische Romane und hatte bereits mit ihrem Debütroman Das Mädchen und sein Henker im Jahr 2009 Erfolg. Im August erschien im Gmeiner Verlag ihr neuer Roman Palast der Schatten.

Darin bündelt die Autorin Erzählungen um Liebe, Krieg und Kino. „1914. Ein kleines Stadtkino zur Zeit des Stummfilms. Der Filmerzähler Theo und die Kinopianistin Carla verlieben sich leidenschaftlich. Beide gehen völlig in ihrer Arbeit auf, doch ihr Glück wird überschattet von Carlas verhängnisvoller Vergangenheit. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges reißt das Paar auseinander und stellt seine Liebe auf dramatische Weise auf die Probe…“

Der Roman nimmt den Leser mit in die Zeit unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der junge Theo betreibt zu dieser Zeit mehr oder weniger erfolgreich ein kleines Kino, welches den Arbeitern kurze Stummfilme näherbringen möchte. Unter starkem Konkurrenzdruck zu den umliegenden großen Theatern versucht er, dass Kino weiter zu halten. Als er nach einem neuen Musiker sucht, der die Filme auf dem Klavier begleiten soll, meldet sich die geheimnisvolle Clara. Bereits nach kurzer Zeit verliebt sich Theo in seine neue Angestellte, doch dann kommt alles anders. Als Theo in den Krieg ziehen muss, verändert sich nicht nur sein Zugang zu Bildern, sondern auch zu Menschen und zu Clara…

Die Autorin Dagmar Fohl setzt in diesem Roman auf stilvolle Sprache. Kein Wort zu viel und kein Wort zu wenig – sondern stets die richtige Dosis an Wörtern nutzt sie, um die verschiedenen Facetten des Kriegs anhand persönlicher Schicksale zu verdeutlichen: die Verarbeitungsversuche der kämpfenden Männer, die nach Hoffnung greifenden zurückgebliebenen Frauen und den Versuch aller, ein Stück weit die Normalität zu erhalten. Bereits der Texteinstieg hält den Leser fest und zeugt von der kraftvollen Sprache der Autorin: „Eiligen Schrittes, als würde die verfolgt, lief Carla durch die Straßen. […] Planlos hetzte sie durch das Dunkel. Die Gaslaternen leuchteten auf, streuten ihr seltsam gelbliches Licht über die Stadt. Sie warfen Carla als fliehende Gestalt an die Hausmauern, ein verhuschtes Wesen auf dem Weg ins Nichts.“

In Palast der Schatten spielt nicht nur der Krieg eine Rolle, sondern auch das Thema Stummfilm soll dem Leser näher gebracht werden. Die Geschichte des frühen Kinos wird durch die Person Theo ausführlich dargestellt. Des Weiteren hat der durch und durch historische Roman Palast der Schatten mit den Geschehnissen zwischen Theo und Clara nicht nur Elemente einer Liebesgeschichte aufzuweisen, sondern zeigt in der Geheimniskrämerei um Claras Vergangenheit auch Züge des Krimis.

Insgesamt hält der Leser mit Dagmar Fohls Palast der Schatten einen tollen Roman in den Händen, der nicht nur betreffs des übermittelten Wissens zur Vergangenheit, sondern auch in Bezug auf die literarische Übermittlung dieses Wissens überaus gelungen ist. Da an nicht wenigen Stellen im Roman auch über wenige Wörter eine gewisse Stimmung vermittelt werden soll, könnte die von mir gelobte stilisierte Sprache manchen Lesern allerdings den Zugang zum Roman versperren. Doch wer sich auf dieses literarische Experiment einlässt, wird nicht enttäuscht…

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