Dienstag, 12. November 2013

Rezension zu "Engelschatten" von Marcus Richmann


Kriminalroman mit realen Bezügen 


© Gmeiner Verlag GmbH

Der in Zürich lebende Schriftsteller und Drehbuchautor Marcus Richmann brachte im Juli 2013 den Roman Engelschatten heraus und damit den zweiten Teil seiner vielversprechende Krimi-Serie rund um den Ermittler Maxim Charkow.

Im Roman kommen die georgisch-russischen Wurzeln des Schriftstellers selbst zum Vorschein, denn auch der Chefermittler der Züricher Mordkommission Maxim Charkow ist russischstämmig. Gemeinsam mit seinen Kollegen Priska, Martin, Walter und der Gerichtsmedizinerin Francine versucht Maxim, mysteriöse Morde in katholischen Kirchen aufzuklären. Schon bald wird ihnen klar, dass sie es bei den rätselhaften Morden mit einem Serientäter zu tun haben, der ein religiöses Motiv zu haben scheint. Doch im weiteren Verlauf der Ermittlungen wird auch deutlich, dass die Nachforschungen in eine gefährliche Richtung laufen und die Ermittler auf einen Geheimbund, nämlich die Sonnentempler, stoßen.

Der Schriftsteller Marcus Richmann konstruiert hier mit Spannung einen Krimi rund um religiös motivierte Serienmorde. Dass er dabei auf reale Geschehnisse eingeht, macht die Erzählung umso spannender. Denn der Roman beruht auf die Tatsachen des Sonnentempler-Dramas, welches zwischen den Jahren 1994 und 1997 in der Schweiz, in Frankreich und in Kanada stattgefunden hat. Die Sonnentempler waren eine radikal weltablehnende und international aktive Geheimgesellschaft, welche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts agierte und sich auf die Tempelritter bezog. Sie sorgten weltweit für Aufsehen, als vierundsiebzig Mitglieder bei vier kollektiven rituellen Morden und Selbstmorden ihr Leben ließen.

Im Roman Engelschatten wird weiterhin Spannung dadurch erzeugt, dass der Leser den Ermittlern nicht nur beim Enträtseln der Mordfälle über die Schultern schauen darf, sondern auch in das Privatleben der Handelnden Einblicke erhält. Besonders tiefgründig wird dies bei Hauptcharakter Maxim, dessen Beziehung zur Psychologin der Kantonspolizei Gabriela thematisiert wird und auch seine Ex-Freundin, die Gerichtsmedizinerin Francine, gerät in den Focus. Zudem erfährt man immer wieder Einzelheiten aus der schrecklichen Vergangenheit des Maxim, der seine Schwester und seinen Vater auf mysteriöse Weise verloren hat. Diese privaten Geschichten bringen eine frische Brise in die Erzählung und man verlangt als Leser ab einem gewissen Punkt ständig neue Details. 

Der Autor Marcus Richmann besitzt die Gabe, Handlungen und Szenen in diesem Roman sehr detailliert zu beschreiben, ohne sich jedoch in Details und Kleinigkeiten zu verlieren. So beschreibt er Tathergänge und Tatorte derart detailliert, dass einem als Leser manchmal der Atem stockt. Der Roman Engelschatten ist zwar der zweite Fall des Ermittlers Maxim Charkow, doch beinhaltet die Erzählung eine abgeschlossene Ermittlungsgeschichte, sodass dieser Roman ohne Vorwissen zum ersten Fall Die Augen der Toten gelesen werden kann.

Insgesamt ist der Kriminalroman Engelschatten durchaus lesenswert. Eine spannende Ermittlung im Vordergrund und private Geschehnisse im Dunkeln bauen Spannung auf und lassen den Leser mitfiebern. Auch dass der Roman unter dem Namen Cuore di ghiaccio im Jahre 2006 vom italienischsprachigen Sender in der Schweiz RSI als Zweiteiler gezeigt wurde, wofür Marcus Richmann selbst das Drehbuch schrieb, zeigt das literarische Können des Schriftstellers.

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