Freitag, 29. November 2013

Rezension zu "Riss" von Chris Nolde



Flucht aus & Suche nach …dem Leben


© Berlin University Press

Mit Riss legt der 1986 geborene Chris Nolde seinen Debütroman vor. Darin gehen drei Jugendliche auf einen Road Trip, der alles verändern soll…

„Sie sind jung und zugleich schon ziemlich erwachsen. Jan bezeichnet sich selbst als Burnout-Abiturient. Maja leidet an einer traumatischen Familiengeschichte, vor der sie immer wieder davon läuft. Und schließlich ist da noch Flo, der mit der geklauten Supermarktkasse erst seinem Bruder hilft, um dann seine letzte Reise zu machen. Das ungleiche "Dreierpack" findet zu einem existenzialistischen Drei-Tage-Trip zusammen – auf der Suche nach dem, was jede Generation immer wieder aufs Neue sucht: auf dieser Welt mit Sinn zu leben. Gemeinsam stürzen sie sich in ein Leben ohne Regeln, ziehen durch Hamburg und trinken, feiern, lieben. Während Jan und Maja miteinander ihren Träumen näher kommen, hat Flo anderes vor: er will das Kartenhaus dieser Gesellschaft zum Einstürzen bringen, indem er sein Leben zur Kunst macht. Es braucht einen Riss. Und Jan und Maja sind Teil seines großen Plans.“

Drei Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen treffen zufällig aufeinander. Die Figuren Jan, Maja und Flo machen sich während ihres Trips auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und ihrer Berechtigung zu Sein. Und jeder der Drei schaut von einer anderen Perspektive aus auf diesen Sinn: Wie kann man erleben statt leben? Welches Ziel hat ein Leben jenseits des Leistungsdrucks? Welchen Sinn macht das Leben, nachdem man alles verloren hat? Und was soll man vom Leben überhaupt erwarten?

Verbunden sind Jan, Maja und Flo nicht nur durch die Flucht aus dem vorgegebenen Leben und ihrer Suche nach dem echten, dem richtigen Leben, sondern auch durch den Riss. Jeder von ihnen hat seine ganz eigene Strategie, um mit seinem Riss umzugehen. Wer wird an seinem Riss wachsen? Wer wird daran zerbrechen?

Der Autor Chris Nolde trifft in seinem Roman einen besonderen Ton, den man so ähnlich von anderen jungen Autorinnen und Autoren kennt. Seine Sprache ist frei von Schnörkeln und direkt. Ohne Umschweife bringt er das auf den Punkt, was seiner Meinung nach an dieser oder jener Stelle im Roman gesagt werden muss. Die Stärke des Romans ist ganz klar die Möglichkeit, sich als Leser mit Figuren identifizieren zu können, selbst über sich und das Sein nachzudenken. Gerade für die junge Generation, der unendliche Möglichkeiten vorgegeben und Leistungsdruck anerzogen wird, bietet dieser Roman Denkanstöße. Als kleines Manko erscheint mir, dass manche Dialoge der jungen Protagonisten doch sehr altklug daherkommen. 

Insgesamt hat der Jungautor Chris Nolde in meinen Augen mit Riss einen überaus gelungenen Roman vorgelegt, der sich mit aktuellen Problemen der Gesellschaft auseinandersetzt und dies auf äußerst unterhaltsame Weise.

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