Donnerstag, 5. Dezember 2013

Autoreninterview mit Chris Nolde



In der letzten Zeit war es ziemlich ruhig auf dem Blog… der vorweihnachtliche Stress lauert einfach an jeder Ecke. :) Ich werde aber versuchen, wieder öfter neue Posts hochzuladen… Material dafür liegt stapelweise bereit.
Heute habe ich den ersten Teil eines tollen Interviews mit Chris Nolde für euch… enjoy!

Wer ist… Chris Nolde


 © Sebastian Goedecke

1. Du warst nach deinem Abitur als Mediengestalter tätig, hast bei Produktionen mitgearbeitet und verschiedene Job im Messebereich gemacht. Warum hast du dich für einen Neustart an der Universität Bonn entschieden?
Zunächst war es mein Wunsch, beim Film zu arbeiten. Allerdings musste ich schnell merken, dass man als Mediengestalter trotz vielfältiger Einsätze (Kamera, Ton, Cut) eher das Handwerk ausführt als selbst kreativ tätig zu werden. Auf Dauer schien mir der Rahmen der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten zu eng gesetzt. Gleichzeitig ist mir in dieser Zeit etwas klar geworden: All die Filme, die ich in der Schulzeit und nach dem Abitur mit Freunden gedreht habe, funktionierten nach demselben Muster: Viel Text, viel Gedankensprache, und die meiste Zeit habe ich auf das Drehbuch verwendet. Es war also immer schon die Sprache, die mich begeistert hat. So studierte ich Literatur mit dem Gedanken, eine Basis für eine Schreibtätigkeit zu schaffen. Außerdem klang ein Universitätsabschluss damals nach einer guten Entscheidung vor Eltern und Freunden, anders, als hätte ich gesagt: Hey Leute, ich werde Schriftsteller.

2. Auch bei Film- und Videoproduktionen geht es um eine Art „Sehen“. Denn die Kamera kann als Auge des Zuschauers die Bilder auf verschiedenste Art und Weise einfangen, d.h. man kann dem Zuschauer in gewisser Weise vorschreiben, wie er „den Stoff“ sieht. Hat die Arbeit an solchen Projekten dein Schreiben beeinflusst? Welche Erfahrungen hast du mitgenommen?
Ganz bestimmt. Ich habe Unmengen an Büchern zur Filmregie gelesen, habe viele Filme studiert. Das hat meinen Blick geprägt. Das 'filmische' Erzählen, das sich auch in Riss wiederfindet, kann und will ich gar nicht verleugnen. Dennoch musste es ein Roman werden und kein Drehbuch. Denn in mir gibt es diese Erzählstimme, die nach Formulierungen fragt und eine sprachliche Darstellung der Welt verlangt. Diesen Wahrnehmungsfilter kann man sich nicht aussuchen. Stell dir einen Film mit einer permanent plaudernden Off-Stimme vor. Das wäre ja unerträglich.

3. Du hast in Berlin ein Studium der Literatur angefangen und wieder abgebrochen. Warum, wo du doch jetzt als Schriftsteller tätig bist?
Ich habe wohl erneut nach einer Rechtfertigung gesucht, diesmal auch für meinen Umzug nach Berlin. Im Grunde waren die letzten sieben Jahre ein großer Aufschub der Entscheidung, einen Brotberuf zu finden. Ich wusste, dass es nur das Schreiben ist und nichts anderes. Also habe ich Wege gesucht, meine Entscheidung zu verkaufen und hinter Studienjahren zu verstecken. Eines Morgens ging es dann nicht weiter. Anstatt zum Seminar zu gehen, bin ich aufgestanden und habe wieder nur geschrieben. Da dachte ich: Junge, gesteh es dir ein, das mit dir und dem Studium wird nichts mehr. So wurde es der letzte Tag meines Studiums. Danach habe ich eine Weile hier und da gearbeitet und allem voran geschrieben – die beste Entscheidung meines Lebens.

4. Welche Bedeutung hat für dich das Theater? Welche Art von Schreiben liegt dir mehr am Herzen: das Romanschreiben oder Drehbuchschreiben?
Da ich selbst vier Jahre in Bonn bei Marcus Brien Erfahrungen am Theater sammeln durfte, bewundere ich die Kunst des Schauspiels. Ein wahrer Schauspieler studiert das Menschsein per Se, er riecht Dinge aus fünfzig Meter Entfernung, er kennt fünf verschiedene Arten, einen Menschen anzusehen oder anzufassen. Das sind feine Unterschiede, derer man sich im Alltag gar nicht mehr bewusst ist. Das hat das Theater dem Film voraus: Das Kunstwerk Mensch steht auf der Bühne, das ist ein unmittelbar erfahrbares Erlebnis. In meinem Schreiben überschneiden sich die Gattungen in gewisser Weise: Im Roman nimmt das Dialoghafte einen großen Raum ein, im Stück die prosaischen Passagen und das naturalistische, erzählende Prinzip.

5. Du gibst Georg Schwikart, Marcus Brien, Nicolas Mittler und Jan Girndt als Weggefährten an. Wie haben sie dich beeinflusst? Ist es Zufall, dass du ausschließlich männliche Gefährten hast?
Alle vier haben wir sowohl künstlerisch als auch persönlich in den vergangenen Jahren sehr viel mit auf den Weg gegeben, das lässt sich nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Dass auf dieser Seite nur Männer zu finden sind, hat keine Bedeutung, ist auch bloß vorläufig. Bald schon gesellen sich zwei Frauen dazu.

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