Mittwoch, 22. Januar 2014

Rezension zu "Der Klub der Ungeliebten" von Dennis Stephan



…eine neue Art des Erzählens


© Incubus Verlag, Dennis Stephan

Der Jungautor Dennis Stephan legte im Herbst 2013 mit Der Klub der Ungeliebten  sein literarisches Debüt vor. Der 24-Jährige wurde in Berlin geboren, studierte Journalistik und arbeitet seit August 2012 als freier Mitarbeiter für das Männermagazin VANGARDIST.

In seinem Roman Der Klub der Ungeliebten dreht sich alles um Adam und Coralie. Adam und Coralie sind ein eingespieltes Team. Treibend in der Großstadt, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, gejagt von innerer und äußerer Einsamkeit, betört von der Frage, was es mit der Liebe auf sich hat. Während Coralie der Liebe ausweicht und der Zudringlichkeit ihres Freunds mit Zynismus begegnet, verstrickt ihr Cousin Adam sich in den Träumereien von einem Fremden, von dem er nicht einmal den Namen kennt. Ihr Klub der Ungeliebten wird von Madame Porzellan, einer alternden Dame mit großer Zärtlichkeit für Puppen und verblassende Erinnerungen, vervollständigt.

Interessant ist, auf welche Weise der Leser am Geschehen teilnehmen darf: Das Buch ist in sieben Kapitel eingeteilt, die mit Namen wie „Mädchen, Jungen, Porzellanfrauen“, „Sturm“ oder „Über die Liebe“ aufwarten. Innerhalb der Kapitel hat der Leser es stets mit einem Ich-Erzähler zu tun, allerdings mit einem wechselnden. Denn während einige Abschnitte aus der Sicht von Coralie geschildert werden, sind andere durch Adams Augen erzählt. Der wechselnde Ich-Erzähler wird durch die Nennung dessen vor einem jeden Abschnitt sichtbar. Dieses Vorgehen birgt zwar einiges an Potential, da die Geschichte somit aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet werden kann, doch es bringt auch die Gefahr mit sich, dass der Leser im Durcheinander untergeht. Leider ist es dem Autor in meinen Augen nicht vollends gelungen, auch anhand der Sprache und Wortwahl den Erzählerwechsel aufzuzeigen. Die Figuren Adam und Coralie sprechen und denken in ähnlichen Phrasen, Satzstrukturen und semantischen Bildern. Während der Erzählerwechsel mich zu Beginn verwirrte, gewöhnt man sich beim Lesen aber allmählich daran.

Weiterhin werden im Roman Szenen aus Gegenwart und Vergangenheit miteinander vermischt. Somit erhält der Leser immer weitere Informationen, die das aktuell Geschehene besser ausleuchten. Allerdings waren einige Rückblicke in meinen Augen zu lang, langatmig gefasst, sodass der Blick auf das Aktuelle fast vollkommen abriss. 

Obwohl mir die beiden Ich-Erzähler Coralie und Adam nicht „verschieden“ genug waren, ist doch insgesamt die gelungene, bildhafte Sprache des Autors hervorzuheben. Es gelingt ihm Bilder zu zeichnen und über die Liebe zu sinnieren, ohne dabei auf bekannte, abgewetzte Formulierungen zurückzugreifen. So zeichnet sich der Roman Der Klub der Ungeliebten durch eine wunderbar poetische, teilweise melancholische Sprache aus. Sätze wie „Liebe ist nur dann greifbar, wenn du sie nah genug an dich ranlässt…“  bezaubern.

Insgesamt ein durchaus lesenswerter Roman, mit dem ein Autor endlich mal wieder eine neue Art des Erzählens aufzeigt… mehr davon! Trotz kleiner Mängel ist der Mut, eine neue erzählerische Idee durchzusetzen, zu belohnen.

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