Freitag, 17. Januar 2014

Rezension zu Friedrich Anis "M"



 Über eine Parallelwelt, deren Existenz uns nachdenklich machen sollte



© Droemer 

Der deutsche Schriftsteller Friedrich Ani wurde vor allem wegen seiner Kriminalromane um den Kommissar Tabor Süden bekannt. Nachdem Ani im Jahr 2005 die Serie um Tabor Süden als beendet erklärte, freuten sich die Fans des eigensinnigen Ermittlers 2008 um so mehr, als der nächste Süden-Roman erschien und damit die Serie fortgeführt wurde. M ist der 18. Teil der Süden-Reihe, trotzdem kann der Roman ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Tabor Süden, der dem Kriminaldezernat den Rücken kehrte und seitdem in einer Privatdetektei arbeitet, hat es diesmal mit einem besonders mysteriösen und beängstigenden Fall zu tun: »Er war irgendwie anders in letzter Zeit.« Mit diesen Worten beauftragt die Redakteurin Mia Bischof die Detektei Liebergesell, nach ihrem vermissten Freund zu suchen. Süden und seine Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Sie sehen sich in ihrem unguten Gefühl bestätigt, als irritierende Hinweise im Arbeitsumfeld des Vermissten auftauchen. Er habe Kontakt zu Neonazis, heißt es. Doch Mia bestreitet das vehement. Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – bis seine Kollegen in höchste Gefahr geraten und er um ihr Leben fürchten muss.

Das Buch beginnt mit einer Friedhofsszene, in der Tabor Süden einen Freund und seinen Vater besucht. In einem melancholischen Selbstgespräch berichtet der Ermittler den Verstorbenen von seinem aktuellen Fall. Diese Szene verfrachtet den Leser in jene Grundstimmung, die allen Erzählungen um den eigensinnigen Kommissar Süden begleitet. Nachdem die Klientin Mia Bischof ihren sechszehn Jahre älteren Freund als vermisst meldet, machen sich Kommissar Süden und seine Kollegen Leonhard und Patrizia auf die Suche nach dem Vermissten. Doch schon bald wird das Wiederfinden des Vermissten zur Nebensache, als man ein Netzwerk entdeckt, das weniger im Untergrund agiert als man denken würde. Den Ermittlern zeigt sich eine Welt der Lügen, des Misstrauens und der Gefahr – eine braune Parallelwelt, in der nicht alle Menschen überleben.

Der 1959 geborene Friedrich Ani legt mit seinem im Oktober 2013 erschienen Roman M einmal mehr einen packenden und ergreifenden Süden-Roman vor. Der Leser ist live dabei, wenn sich Kommissar Süden weiter und weiter in den Fall verstrickt und damit in eine Parallelwelt der Gesellschaft eintaucht, die auch in unserem realen Leben existiert. Gerade das macht den Roman derart fesselnd. Anis Ausführungen regen zum Nachdenken an: über die Gesellschaft, vor allem über den Rechtsextremismus in Deutschland. Die eigenwillige Art des Ermittlers Süden muss man aber mögen, denke ich. Nicht jeder Leser wird sich an den Kommissar binden können, doch der Versuch lohnt sich allemal. Denn Ani ist ein Meister der Beobachtung. Detailgetreu gibt er Sinneseindrücke, Personencharakterisierungen und Handlungsweisen wieder, als hätte er sie eigens für seine Romanszenen studiert.

HIER findet Ihr eine Leseprobe des Romans M von Friedrich Ani. Viel Spaß euch damit. Kennt Ihr andere gute Romane von Friedrich Ani?

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