Mittwoch, 12. Februar 2014

Autoreninterview mit Dennis Stephan - Teil II



Zwischen den Zeilen bei… Der Klub der Ungeliebten


© M. Franke

1. Erschien der Roman bewusst in einem Spartenverlag, der auch Literatur für Homosexuelle herausgibt?
Ein klares Nein. Ich habe mich auch bei anderen Verlagen beworben; Piper, S. Fischer und so weiter. Letztlich bekam ich dann vom Incubus Verlag das Go - einem erst vor zwei Jahren gegründeten, noch sehr überschaubaren Kleinverlag, der sein Augenmerk auf Geschichten mit homosexuellem Hintergrund gelegt hat. Als unveröffentlichter Jungautor ist die Euphorie bei einer Zusage natürlich ohnehin erstmal groß, aber ich halte den Verlag auch nach wie vor für eine gute Wahl. Es geht im Klub der Ungeliebten um unterschiedliche Randgruppen, dass Adam homosexuell ist, ist nur ein Beispiel. Ein Buch über Randgruppe, in einem Verlag für Randgruppen.  

2. Woher stammt die Idee zum Klub der Ungeliebten?
Die Idee stammt aus dem Jahr 2008, als ich mich zum ersten Mal furchtbar kopflos verliebte. Meine Cousine war damals in das ganze Gefühlschaos involviert, indem sie mir den Rücken stärkte. Um diese Lappalie habe ich dann angefangen, die Geschichte vom Klub der Ungeliebten zu spinnen. Ich wollte eine Geschichte über alle Facetten der Liebe und dem Unterschied zur Verliebtheit erzählen, ohne dabei wie ein weinerliches, rosarot-verblendetes Teenie-Mädchen zu klingen... 

3. Wie können wir uns Deine Arbeit an dem Roman vorstellen? Wie lange hat es gedauert, den Roman fertig zu stellen?
Von der Idee bis zur Veröffentlichung vergingen fünf Jahre, allein vier Jahre hat es gedauert, bis die Geschichte von Anfang bis Ende stand. In dieser Zeit habe ich das Projekt immer wieder im Hinterkopf gehabt, habt immer dann weitergeschrieben, wenn ich wieder ein wenig Inspiration gesammelt hatte. Stück für Stück flog etwas raus, kam ein anderer Handlungsstrang dazu oder wurde abgeändert. Wie bei einem Puzzle-Spiel, von dem man noch nicht sicher ist, welches Bild sich letztlich ergibt.   

4. Der Roman schlägt an nicht wenigen Stellen einen philosophischen Ton an. Bist Du ein nachdenklicher Mensch?
Das Magazin MÄNNER schrieb über den Klub der Ungeliebten, er würde "trotz aller Traurigkeit vor sich hin stürmen und drängen". Ich fand das sehr charmant. Vielleicht wäre ich als junger Autor tatsächlich gut im Sturm-und-Drang aufgehoben gewesen. Ich bin sehr nachdenklich, da bin ein gutes Stück wie Adam, der die Welt mehr empfindet als sie sinnlich wahrzunehmen. Ich glaube, dass nicht alles so einfach ist, wie wir immer annehmen. Dass Menschen dazu neigen, in Schwarz und Weiß zu denken, ohne die breite Palette der Grautöne zu beachten. Wieso wir tun, was wir tun oder handeln, wie wir handeln, wird erst dann begreifbar, wenn man genauer hinsieht. Das ist auch meine Empfehlung an den Leser: genauer hinsehen bzw. zwischen den Zeilen lesen.    

5. Was erzählt uns der Roman in Deinen Augen? Oder anders: Was soll dem Leser vermittelt werden? Gibt es die so genannte „Moral von der Geschichte“?
Ich werde mich hüten, irgendjemand die Geschichte zu erklären. Ein langjähriger Freund wies mich darauf hin, dass ich als Autor die Aufgabe hätte, eine Geschichte zu erzählen. Das Deuten müssen andere übernehmen. Ganz allgemein ist Der Klub der Ungeliebten eine Geschichte über tiefe Freundschaft, die an Seelenverwandtschaft grenzt. Es geht ums Anderssein - und welche Konsequenzen oder Privilegien damit verbunden sind. Und im weiteren Sinne, geht es um Liebe, um alle ihre wunderschönen und hässlichen Gestalten.

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