Mittwoch, 5. März 2014

Rezension zu "Epidemie - Teil 1" von Alexander Fleming


Ein Schriftsteller auf Umwegen


 © Alexander Fleming

Alexander Fleming ist ein Schriftsteller „auf Umwegen“. Der im Jahr 1986 in Kasachstan geborene Schriftsteller war über viele Jahre als Bauingenieur tätig, bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte. Als großer Fan des Zombie-Genres verfasst er seit 2012 eigene Texte und veröffentlichte sie als Selbstverleger.

In dem ersten Teil seiner Zombie-Serie Die Epidemie geht es um Folgendes: „Ein junger deutscher Bauingenieur befindet sich im Zuge eines Auslandsprojektes in Moskau, als plötzlich eine verheerende Epidemie ausbricht, die die Menschen verändert und sie zu blutrünstigen Monstern werden lässt. Mit einer Handvoll Überlebender kämpft er sich durch die von den Infizierten überfüllte und umzingelte Stadt auf der Suche nach irgendeiner Möglichkeit, die ihm und seinen Begleitern Sicherheit und Schutz bieten könnte. Der Protagonist schreibt das Erlebte nieder, um damit das Geschehene zu verarbeiten. Auf diese Weise bietet er dem Leser einen direkten Einblick in seine Gedanken, Ängste und Hoffnungen.“

Der Texteinstieg in die Geschichte ist sehr gut gelungen. Der Leser würde durch die sich stetig aufbauende Spannung am Text gefesselt werden und mitfiebern, wie es dem Protagonisten ergeht… er würde (!), wenn er nicht vorher den Klappentext gelesen hätte. Denn dort erfahren wir bereits, dass es sich bei dem vorliegenden Text um die Aufzeichnungen des Protagonisten handelt, der all die Geschehnisse überlebt. Damit wird der Geschichte leider ein großer Teil der Spannung genommen, weil wir als Leser das Schicksal des Protagonisten eigentlich schon kennen: er wird überleben.
Während die Geschichte inhaltlich ansonsten doch schlüssig und durchdacht ist, sind es die Sätze im Text oft leider nicht. Manches wirkt doch sehr nacherzählt, der Leser wird außen vor gelassen und „erlebt“ das Geschehene nicht direkt mit. Zudem wirkte die Textaufteilung im Buch auf mich an vielen Stellen sehr wirr: Nach ein bis drei Sätzen wird grundlos ein neuer Absatz begonnen, ohne das ein neuer Sinnzusammenhang beginnt. Denn gerade das charakterisiert einen Textabschnitt: In ihm hat der geschriebene Text einen eigenen Sinnzusammenhang. Vielleicht könnte man das „Wirrwarr“ im Text dahingehend auslegen, dass es sich dabei um das Aufgeschriebene des Protagonisten in der Katastrophe handelt. Doch irritieren die Absätze den Leser mehr als das sie ihm Orientierung bieten.
Des Weiteren kamen mir manche Szenen doch eher irreal vor: Wenn der Protagonist beispielsweise in einem Firmenmeeting unterbrochen wird, dann reagiert alle Welt um ihn herum mit Panik und Angst. Menschen rennen um ihr Leben, da die Soldaten schießen, aber… der Protagonist steht einfach da und beobachtet das Geschehen in Trance: „Langsam und benommen schritt ich zur Tür und sah nichts als Chaos in den Gängen. Wie eine aufgescheuchte Herde rannten die Menschen die Treppen hinunter und nahmen auf andere keine Rücksicht mehr.“ Warum wurde der Protagonist hier nicht mit natürlichen Überlebensinstinkten ausgestattet? Warum bleibt er hier mitten in der Tür stehen und riskiert erschossen zu werden ohne sich zu verstecken? Das wirkt doch sehr unglaubwürdig.
Zudem greift der Autor an vielen Stellen doch zu sehr auf stereotypes Denken und abgewetzte Formulierungen zurück, die in einem guten Roman nichts verloren haben: „Auch ich wurde jetzt panisch. […] Rückblickend ist mir meine Reaktion sehr peinlich, denn schließlich sollte ich als Mann tapfer und stark sein.“ An dieser Stelle geht es im Roman wie so oft um eine lebensbedrohliche Situation. Ist Panik hier wirklich peinlich? 

Insgesamt hätten viele dieser Ungereimtheit durch ein gutes Lektorat vermieden werden können. Schlechte Formulierungen oder Sinnfehler müssen nicht sein, wenn man ein Manuskript ordentlich lektoriert. Letztendlich ließen mich die, wenn auch kleinen, inhaltlichen Ungereimtheiten an der erzählten Geschichte zweifeln und die Lust aufs Lesen wurde gebremst. Auch über die Romanlänge war ich etwas verdutzt: 60 Seiten doch etwas wenig, um eine ausgebaute Geschichte liefern zu können. Vielleicht hätte der Autor besser getan, alle fünf geplanten Romanteile gemeinsam zu veröffentlichen.
Zu loben ist allerdings das äußere Design dieses Selfpublishing-Romans: Das Cover überzeugt und macht neugierig. Und auch die Idee der Geschichte ist durchaus gelungen.

1 Kommentar:

  1. Oje ja die bösen Klappentexte! Ich lese die Beschreibungen meist nur ein einziges mal um zu entscheiden, ob ich das Buch lese will und es auf meiner WuLi landet, einmal dort angelangt, möchte ich vor dem Lesen des Buches nichts mehr über den Inhalt hören oder lesen, sondern ganz unvorbereitet in die Geschichte stolpern. Schade, dass der Autor hier nicht noch ein wenig an seinem Text gefeilt hat.

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