Montag, 12. Mai 2014

Rezension zu "Zwischenreich - Der Mond ist nah" von Coco Sturmbrust


Eine Dystopie mit Potential


© Coco Sturmbrust

Debütromane sind spannend – für den Leser und für den Autor allemal! Mancher Leser fragt sich: Finde ich einen neuen Lieblingsautor? Sagt mir der Schreibstil des Autors zu? Finde ich endlich eine Geschichte, die mich so richtig fesseln kann? Für den Autor ist ein Debütroman nicht weniger aufreibend: Wie wird die Welt auf meinen Roman reagieren? Wie wird meine Geschichte bei den Lesern ankommen? Kann ich Menschen mit meiner Sprache in den Bann ziehen?

Die 1985 geborene Autorin Coco Sturmbrust fand erst auf Umwegen zu ihrer Leidenschaft: dem Schreiben. Mit Zwischenreich – Der Mond ist so nah legt sie den ersten Teil ihres dystopischen Fantasy-Epos vor.

Als Erstes fiel mir das tolle Cover des Romans auf, der im Selfpublishing erschienen ist. Gerade bei Buchveröffentlichungen, die ohne einen Verlag auskommen und zu einhundert Prozent den Autor hinter sich haben, ist dies keine Selbstverständlichkeit. Coco Sturmbrust hat diesen Aspekt der Veröffentlichung und auch des Marketings nicht auf die leichte Schulter genommen, was der Veröffentlichung in jedem Fall zu Gute kommt!

In dieser Welt gibt es drei Arten von Erdenbewohnern: Vampire, Menschen und Zombies. An oberster Stelle stehen die Vampire, sie beherrschen die Welt. Die Vampire haben ihre Handlanger, ihre menschlichen Hilfskräfte, die gemeinsam mit ihnen unterdrücken, auspressen und zerschlagen. Der Biss eines Vampirs verwandelt Menschen in Zombies. Das ist Shylas Welt. Als sie ein Kind war, wurde auch ihre Schwester geraubt und vergiftet. Shyla hasst die Ordnung der Welt, ihrer Welt, sie hasst die Vampire, sie will deren Herrschaft beenden. Doch noch fehlt ihr die Kraft, sie ist nur ein Mensch. Bis sie eines Tages einem Vampir begegnet, der sich wie sie außerhalb der Ordnung bewegt. Dieser Vampir verändert ihre Welt.

Der Roman Zwischenreich wird von einer düsteren und bedrückenden Stimmung getragen, eben jener, die eine Dystopie ausmacht. In meinen Augen muss man kein Fan dieses Genres von fantastischer Literatur sein, um der Hauptfigur Shyla bis auf die letzte Roman-Seite zu folgen. Das düstere wirkt zwar präsent, doch ist es nicht vorherrschend. Dank einer detaillierten Figurenausarbeitung fiebert man an jeder Stelle mit Shyla, die auf der Suche nach der „Auflösung allen Grauens“ in ihrer Welt ist.

Interessant war für mich die sprachliche Umsetzung der Geschichte. Die Autorin vollzieht einen ständigen Wechsel zwischen einem personalen Erzähler und der Ich-Erzählerin Shyla. Dies läuft zwar an einigen Stellen Gefahr, dass der Lesefluss doch etwas holprig daher kommt, andererseits kann man als Leser nur dadurch auf eine tiefgründige Art und Weise in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten eintauchen.  

Als nachteilig empfand ich im Roman Zwischenreich die vorgenommene Aufteilung. Ein Leser weiß bei einem neuen Roman inhaltlich nie, was ihn erwartet. Einziger Anhaltspunkt sind Kapitel, ihre Titel und ihre Länge. Grob ist der Roman in vier Bücher eingeteilt. Diese sind zum einen mit insgesamt 49 Kapiteln bestückt, was in meinen Augen zu viel des Guten ist, zum anderen störten mich zu stark abweichende Kapitellängen. Von lediglich einer Seite bis etwa neun Seiten ist alles dabei. Obwohl die Kapiteltitel teils poetisch daher kommen („Der goldene Schnitt der Welt“ oder „Ein Augenaufschlag nur, und alles ist entschieden“), wirken Beiwerke wie Kapitel 9/1, 9/2, 9/3 etc. irritierend.

Insgesamt legt Coco Sturmbrust einen soliden, aber doch ausbaufähigen Debütroman vor. Der Roman profitiert von seinem professionellen Cover und tiefgründigen Charakteren. Einzig der Romanaufbau und die teils holprige Sprache dämmten bei mir das fließende Lesevergnügen ein.

Wie ist es mit euch: Lest ihr Dystopien?

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