Dienstag, 22. März 2016

Autoren-Interview mit Petra Hammesfahr


Zwischen den Zeilen beim neuen Roman
Fremdes Leben
– Über Ideenfindung und Entstehungsprozess



Vor wenigen Tagen sprachen wir mit Petra Hammesfahr über Selbstzweifel, das Drehbuchschreiben und den Reiz des Thrills. Heute nimmt uns die Autorin gewissermaßen mit an den Schreibtisch: Woher stammt die Idee zum neuen Roman Fremdes Leben? Und wie kann man sich die Arbeit an solch einem Spannungsroman vorstellen?

Woher stammt die Idee zum Roman Fremdes Leben? Gab es eine Art Initialzündung?

Die Initialzündung kam bei meinen morgendlichen Kniebeugen mit Blick aus dem Küchenfenster. Gegenüber steht ein alter Kirschbaum. In der Rinde ließen sich mit etwas Phantasie (ich habe davon ganz viel) Gesichter erkennen. Und dann hatte ich plötzlich den Text (manchmal bezeichne ich es auch als Stimme) im Kopf, die mir von Cilly und ihrer neuen Brille erzählte, und von den Gesichtern in der Baumrinde, die Cilly ein Geheimnis offenbaren.
Die ursprüngliche Idee existiert immer noch als Kurzgeschichte, hat aber mit dem Roman nur noch den Namen Cilly und eine Lesebrille gemein.

Wie kann man sich als Leser die Entstehung dieses Spannungsromans vorstellen?

Auf die Gesichter in der Baumrinde folgte der Sturz in den Steinbruch. Beides blieb erst mal liegen, bis sich der Rest ergab. Von der Idee bis zum fertigen Roman habe ich gute drei Jahre gebraucht. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass von einer Ursprungsidee selten viel übrig bleibt, und dass es keine gute erste Fassung gibt.
Ich kann einen Roman auch nicht planen, das funktioniert nur beim Drehbuch. Ein Roman muss sich entwickeln, das braucht Zeit. Ich sitze täglich sechs bis acht Stunden am Schreibtisch. An manchen Tagen schreibe ich zwischen fünf und acht Seiten, an anderen Tagen arbeite ich nur mit dem vorhandenen Text. Umschreiben, verbessern, Sätze schleifen, wie ich es in den ersten Jahren ohne Veröffentlichung gemacht habe.
Es kann auch passieren, dass ich nach über 200 Seiten noch mal von vorne anfangen muss, weil sich plötzlich eine Figur persönlich zu Wort meldet und ich einiges korrigieren muss. Klingt vielleicht verrückt, aber da ich mit meinen Protagonisten lebe, ist das bei mir völlig normal.

Gleich auf den ersten Seiten des Romans heißt es: „Namen waren wichtig […]. Wenn der Name nicht passte, funktionierte die Figur nicht. Ein Name durfte nicht proletenhaft klingen, nicht spießig und nicht altbacken. Bei gewissen Namen sah man doch sofort eine bestimmte Gesellschaftsschicht vor sich….“  Welche Bedeutung haben Namen für Sie? Wie wichtig sind Ihnen die Namen ihrer Romanfiguren?

Vor Jahren wurde ich einmal aufgefordert, eine Romanfigur umzubenennen. Der Name sei antiquiert, hieß es. Ich dachte, das sei kein Problem. Aber es war unmöglich. Ich hatte den Namen seit Jahren im Kopf, der Mann hieß so, und dabei ist es geblieben.
Eine Figur, die nicht von Anfang an komplett mit Namen und Hintergrund da ist, bekomme ich nicht in den Griff.
Für den Roman, an dem ich zurzeit arbeite, schlug meine älteste Tochter eine Figur vor, weil sie meinte, die Thematik brauche so eine Person. Ich wollte das schon ablehnen, aber im nächsten Moment war die Figur in meinem Kopf vollständig da. Ich wusste, wie sie hieß, wie sie aussah, wie und warum sie so handelte, und was sie dazu gebracht hatte, als wäre sie schon immer Bestandteil dieser Geschichte gewesen.


Wie hat Dir unser Interview gefallen? Wir freuen uns über Deine Kommentare, auch in den Social Media-Kanälen (Twitter und Facebook)!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ein Blog lebt erst durch Kommentare und dem Dialog.
Wir freuen uns daher über jeglichen "Senf", den ihr abzugeben habt. :)