Sonntag, 13. März 2016

Countdown zum Preis der Leipziger Buchmesse

Die Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse vorgestellt


Am 17. März 2016 blicken Verleger und ihre Autoren ebenso wie Leser und Medienvertreter gespannt nach Leipzig, wenn um 16 Uhr in der großen Glashalle des Messegeländes der diesjährige Preis der Leipziger Buchmesse vergeben wird. Wir stellen die Nominierten vor…



Hintergrundinformationen zum Preis der Leipziger Buchmesse


Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in seiner heutigen Form seit 2005 im Rahmen der Leipziger Buchmesse vergeben. Er wird verliehen von der Messe Leipzig, der Stadt Leipzig, dem Freistaat Sachsen sowie mit Unterstützung des Colloquium Berlin. Aus insgesamt 401 Werken, die von 113 Verlegern eingereicht wurden, hat die Jury jeweils fünf Autoren bzw. Übersetzer in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung zum Preis der Leipziger Buchmesse 2016 nominiert.

Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik


Marion Poschmann "Geliehene Landschaften - Lehrgedichte und Elegien": »Geliehene Landschaft« heißt ein Stilelement der ostasiatischen Gartenkunst. Dabei wird etwas außerhalb der Gartenanlage, z. B. ein Berg oder ein imposantes Gebäude, in die Gestaltung mit einbezogen. Ein kleiner Raum öffnet sich so ins Weite und steigert seine Pracht. Jeder Stadtpark kann als Jenseitslandschaft gelesen, jede öffentliche Grünfläche auf ihr utopisches Potential hin untersucht werden. Marion Poschmann betrachtet einen Vergnügungspark in den USA oder ein Stück der finnischen Taiga und geht den Sehnsüchten und politischen Implikationen nach, die in diesen Landschaften eingeschrieben sind.

Roland Schimmelpfennig "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts":  Auf einer eisglatten Autobahn, 80 Kilometer vor Berlin, legt sich nachts ein Tanklaster quer und kippt um. Auf dem Standstreifen, kurz im Blaulicht der Feuerwehr zu sehen, streunt ein Wolf. Zwei Kinder, die von zu Hause weggelaufen sind, irren umher, ein polnischer Bauarbeiter sucht verzweifelt nach seiner Freundin, eine Frau verbrennt auf ihrem Balkon die Tagebücher ihrer Mutter; in seinem Debütroman kreuzt Roland Schimmelpfennig die Geschicke seiner Figuren mit den Wegen eines Wolfes. Atmosphärisch dicht und dabei klar erzählt er von Einsamkeit und Sehnsucht und erfasst die winterliche Stimmung in Berlin, seinem Umland und in Polen.

Nis-Momme Stockmann "Der Fuchs": Nis-Momme Stockmanns "Der Fuchs" richtet den Blick auf einen Ort im Windschatten geschichtlicher Großereignisse, in dem sein Held Finn Schliemann als Chronist fungiert. Finn rettet sich auf ein Dach, als die norddeutsche Kleinstadt Thule von einem Hochwasser überrascht wird. Die Flut schwemmt so manchen Gegenstand an, der Erinnerungen an seine Kindheit weckt: Das Aufwachsen ohne Vater, der Alltag mit dem behinderten Bruder, das Leben als Außenseiter. Als die mutige und phantasievolle Katja in sein Leben tritt, verändert sich Finns Welt innerhalb kurzer Zeit.


Heinz Strunk "Der goldene Handschuh": Heinz Strunk erzählt die authentische Geschichte von Fritz Honka, der in den 70er-Jahren in Hamburg mehrere Frauen ermordet hat. Honka nahm seine Opfer aus der Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit. Der Erzähler taucht tief ein in die Nachtwelt von St. Pauli und tritt dicht an seine Figuren heran. So entsteht ein zwar tristes, doch äußerst lebendiges Bild vom Milieu der Reeperbahn vor 40 Jahren. Mit gnadenlosem Realismus und treffsicher stellt Strunk eine in Teilen verrohte Gesellschaft dar, die die Nazizeit noch nicht verarbeitet hat.


Guntram Vesper "Frohburg": Frohburg ist das opus magnum von Guntram Vesper. Zugleich ist die Kleinstadt südlich von Leipzig für den Autor der Ausgangspunkt von allem: Der Ort seiner Geburt 1941, seiner Kindheit und Jugend, bis die Familie 1957 in die Bundesrepublik flieht. In Frohburg erzählt Vesper von deutschem Leben im zwanzigsten Jahrhundert, von Kultur, Politik, Krieg und Nachkrieg, und entwirft damit ein Geschichts- und Geschichtenpanorama, das sich zumeist aus eigenem Erleben und Beobachten speist und das ein Land und eine Zeit gültig festhält.




Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse für Sachbuch und Essayistik


Werner Busch "Adolph Menzel. Auf der Suche nach der Wirklichkeit": Adolph Menzels Gemälde zum Leben Friedrichs des Großen bestimmen bis heute unser Bild dieses Herrschers. Ihre moderne Perspektive verweigert die Verherrlichung und stieß auf den Widerstand des preußischen Königshauses. Werner Buschs neue Gesamtdeutung legt die biografischen und zeithistorischen Impulse frei, die Menzels Werk, seine Wendungen und Brüche prägten. Mit kunstgeschichtlicher Expertise erschließt Werner Busch in diesem reich illustrierten Band das Gesamtwerk des Künstlers, in dem sich das 19. Jahrhundert ästhetisch verdichtet.


Jürgen Goldstein "Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt": Georg Forster (1754-1794) war Entdeckungsreisender, empfindsamer Naturbetrachter und entschiedener Revolutionär. Er umsegelte an der Seite von James Cook die Welt, verfasste glänzende Reiseerzählungen und rief 1793 in Mainz die erste Republik auf deutschem Boden aus. Jürgen Goldstein veranschaulicht in seiner glänzend geschriebenen Biographie Forsters Philosophie und lässt das ereignisreiche Leben dieses engagierten Intellektuellen der deutschen Aufklärung noch einmal Revue passieren.


Ulrich Raulff "Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung": Seit Urzeiten war das Pferd der engste Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, allgegenwärtig im Krieg und verband Städte und Länder. Doch mit dem Siegeszug der Motorisierung fiel das Pferd aus der Zivilisationsgeschichte heraus, aus der es jahrtausendelang nicht wegzudenken war. Gut recherchiert und unterhaltsam erzählt Ulrich Raulff von der Bedeutung, die das Pferd für die Menschen hatte und beschreibt das Tier als Teil der Geschichte, die ohne es so nicht denkbar ist.


Christoph Ribbat "Im Restaurant. Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne": Im Restaurant wird nie nur gegessen. Seit der Eröffnung der ersten „restaurierenden“ Etablissements im Paris des 18. Jahrhunderts geht es im Lokal immer auch um Stil und Distinktion; das Restaurant ist ein Mikrokosmos sozialer Differenz und feiner Unterschiede. In der Küche, an der Theke und bei Tisch kollidieren Genuss und Schwerstarbeit, Eleganz und Ausbeutung, kulturelle Diversität und Rassismus. Christoph Ribbat hat Theorien und Fakten zu sämtlichen Aspekten aus der Geschichte des öffentlichen Essens zusammengetragen und vermittelt dem Leser anschauliche und originelle Einblicke in die kulturwissenschaftliche Alltagsforschung.

Hans Joachim Schellnhuber "Selbstverbrennung: Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff": Nach 30 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dem Klimaproblem zieht der renommierte Wissenschaftler und Politikberater Hans Joachim Schellnhuber Bilanz: Das Verbrennen fossiler Energieträger, das die moderne Gesellschaft antreibt, kann langfristig das Ende unserer Zivilisation herbeiführen. Selbstverbrennung beschreibt, wie tiefgreifend die Welt sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Lehrreich und dabei anschaulich und mit unterhaltsamen Pointen und persönlichen Erinnerungen angereichert, führt Schellnhuber vor Augen, dass ein Umdenken unbedingt notwendig ist.


Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse für Übersetzungen


Kirsten Brandt hat den deutschen Lesern ein bedeutendes Werk der katalanischen Literatur nach mehr als 50 Jahren endlich zugänglich gemacht: Joan Sales' Flüchtiger Glanz, den großen Roman, der vom spanischen Bürgerkrieg erzählt: Im belagerten Barcelona wütet das Chaos. Lluis, Atheist, ehemaliger Anarchist und Skeptiker, verlässt seine Frau, um in den Bergen Aragoniens an der Seite der Republikaner zu kämpfen. Doch die Anarchisten verwüsten Klöster und richten Zivilisten hin. Lluis ist entsetzt, überschreitet aber selbst die Grenze der Moral und sucht in Briefen an seinen Bruder Antworten auf seine Fragen nach dem Ursprung des Bösen, nach Gott und den Möglichkeiten der Liebe. (übersetzt aus dem Katalanischen)

Was für Irland Ulysses, ist für Serbien Die Tutoren: ein avantgardistisches Meisterwerk voller Wortspiele und Stilbrüche, ein experimentelles Labor der Sprache – und dabei hochkomisch. Ausgehend von einem rebellischen orthodoxen Priester des 19. Jahrhunderts über tatkräftige unternehmerische Frauen bis hin zu einem namenlosen Autor spannt Bora Ćosić mit der in Slawonien angesiedelten Parodie einer Familienchronik einen Bogen über 150 Jahre europäischer Geschichte. Erzählt wird auf vielfältige Weise: anhand einer Rauferei in einer Kneipe, in Form eines Lexikons oder als Beratungsgespräch in einer Buchhandlung. Dabei richtet der Erzähler als leidenschaftlicher Sammler kurioser Phänomene ein besonderes Augenmerk auf Alltagsdinge. An eine Übertragung dieses opus magnum hat sich lange niemand herangetraut. Brigitte Döbert ist das Wagnis nun eingegangen und erschließt den Lesern damit einen der großen mitteleuropäischen Autoren der Gegenwart neu. (übersetzt aus dem Serbischen)
Welches Verhältnis unterhält das Abendland zu seiner eigenen Religion? Emmanuel Carrère stellt sich die Gretchenfrage. Er vertieft sich in die Anfänge des Christentums, fragt nach der Kraft, mit der es gelingt, an Dinge zu glauben, gegen die der Verstand rebelliert, und eine revolutionäre Ethik zu vertreten, die den Schwachen zum Starken erklärt. Mal ironisch, mal mit dringlichem Ernst zeichnet Carrère das Fresko einer antiken Welt, die in vielen Zügen unserer heutigen ähnelt. (übersetzt aus dem Französischen)


Mit Frank legt Richard Ford den Schlussstein seiner meisterhaften Tetralogie über den inzwischen 68-jährigen Helden Frank Bascombe. Die vom Hurrikan Sandy zerstörte Küste New Jerseys bildet die Kulisse, vor der Ford mit der Stimme seines berühmtesten Helden über die Folgen der Katastrophe und die Beschädigungen des Lebens räsoniert: über das Alter und Krankheit, über Erlösung und letzte Dinge. Es ist Frank Heiberts großes Verdienst, Fords lakonischen Sound, den Zynismus seines unverwechselbaren Protagonisten und die Präzision der Alltagsbeobachtungen in ein deutsches Äquivalent zu bringen. (übersetzt aus dem Englischen)


Eine Straße in Moskau ist der erste Roman des russischen Realisten Michail Ossorgin, der im Jahr 1928 in der Pariser Emigration erschien und nun von Ursula Keller neu übersetzt wurde. Er schildert die zerstörerische Gewalt von Krieg und Revolution aus der Sicht der Bewohner einer kleinen Moskauer Straße. Wie durch ein Brennglas werden die Ereignisse im Mikrokosmos eines Professorenhaushalts um den Ornithologen Iwan Alexandrowitsch und seine Enkelin »Tanjuscha« betrachtet und zu einem Mosaik aus 86 Bildern und Szenen meisterhaft montiert. (übersetzt aus dem Russischen)




*Buchbeschreibungen wurden der Infoseite zum Preis der Leipziger Buchmesse entnommen.

Du willst über die Gewinner zum Preis der Leipziger Buchmesse informiert werden? Wir halten Dich mit spannenden Artikeln, aber auch über Facebook und Twitter auf dem Laufenden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ein Blog lebt erst durch Kommentare und dem Dialog.
Wir freuen uns daher über jeglichen "Senf", den ihr abzugeben habt. :)