Dienstag, 15. März 2016

Gebrauchte E-Books: Streit im Handel

Dürfen gebrauchte E-Books erneut verkauft werden?

©Julien Christ/pixelio.de

Auf dem Flohmarkt findet man häufig alte und gebrauchte Bücher. Möchte man seine verstaubten Werke Bibliotheken vermachen, gilt häufig der Grundsatz, dass ausschließlich gut erhaltene Bücher mit der aktuellen deutschen Rechtschreibung angenommen werden. Bringt man seine Bücher dort nicht unter, steht das Internet bereit – auf dem digitalen Flohmarkt finden sich schnell Abnehmer. Gebrauchte E-Books dürfen nach deutschem Recht allerdings nicht weiterverkauft werden. Doch warum ist das so – und was tüftelt der Internetgigant Amazon trotz Verbot aus?



Verkäufer- und Käuferschutz für gebrauchte E-Books

Der Buchmarkt sieht sich seit Längerem mit einem Umbruch konfrontiert – weg vom klassischen Buch, hin zum (digitalen) E-Book. Für den Handel liegen die Vorteile hier klar in den Herstellungskosten: Da die E-Books kein Papier, keine Toner und Covereinbände benötigen, kann der Handel die Bücher kostengünstiger herstellen. Und davon profitiert auch der Kunde, denn durch die kostengünstige Produktion kann der Handel die E-Books letztendlich auch günstiger an den Verbraucher abgeben. Anders, wie bei den „klassischen Büchern“, läuft seit geraumer Zeit ein Streit um den Weiterverkauf für gebrauchte E-Books. Steht üblicherweise bei Diskussionen um den Markt der Kunde – und damit der Käuferschutz – im Fokus, zieht beim Weiterverkauf für gebrauchte E-Books der Verkäufer die Schutzbedürftigkeit auf sich.
Experten sehen einem Weiterverkauf gebrauchter E-Books skeptisch entgegen und befürchten den nachhaltigen Zusammenbruch des Buchmarkts. Das lässt sich damit begründen, dass die technologiebasierten Bücher auch bei mehrfachem Weiterverkauf nicht an Qualität auf dem Reader verlieren. Somit könnten massive Umsatzeinbrüche beim Verkauf der sogenannten Erstexemplare eintreten. Erst im Jahr 2015 hatte daher auch das Oberlandesgericht Hamburg im Sinne der Verkäufer entschieden: Den Weiterverkauf für gebrauchte E-Books kann der Handel in seinen AGBs ausschließen. Den Käuferschutz nicht aus den Augen verloren, kündigte jedoch der Justizminister von Nordrhein-Westfalen Anfang 2016 an, dass er gegen das Verbot über den Weiterverkauf für gebrauchte E-Books vorgehen möchte.

Amazon plant Konzept zum Weiterverkauf für gebrauchte E-Books

In den USA und Kanada hat Amazon bereits ein Patent für sein Konzept über den Weiterverkauf gebrauchter E-Books angemeldet. In Deutschland ist der Weiterverkauf zwar noch untersagt, doch auch für den deutschen Buchmarkt setzt Amazon sein Konzept bereits auf. Der Internethändler plant, die Verlage am Weiterverkauf für gebrauchte E-Books zu beteiligen. Damit möchte Amazon den Reiz für den Einstieg schaffen – und die Weichen für den Erfolg im „digitalen Gebrauchtbuchmarkt“ stellen.

Mögliche Gefahren der Zukunft

Noch steht der Verkäuferschutz im Vordergrund. Die angekündigte Anfechtung durch den Justizminister von Nordrhein-Westfalen lässt jedoch die Zukunft für gebrauchte E-Books fraglich werden. Gewinnt der Käuferschutz – und damit der Weiterverkauf für gebrauchte E-Books –, müssen Konsequenzen hingenommen werden: Einerseits kann Amazon durch sein Patent in eine Art monopolistische Stellung für gebrauchte E-Books geraten. Andererseits sich gerade kleine Verlage möglicherweise nicht in der Lage, die Umsatzeinbrüche ausgleichen. Und auch mittlere und große Verlage müssten unter Umständen mit den Umsatzeinbrüchen kämpfen und Möglichkeiten entwickeln, um einer wirtschaftlichen und finanziellen Krise zu entgehen.


Wie stehst Du zum Streit um gebrauchte E-Books? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar und sind gespannt, ob Du mehr Empathie für Verkäufer oder Käufer aufbringst. Verrate uns Deine Meinung auf unserem Blog oder auf unseren Social Media Kanälen (Facebook, Twitter und RSS)!

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