Dienstag, 24. Mai 2016

Der Wert von Literatur

Ergänzung des Buchpreisbindungsgesetzes unter scharfer Kritik

©Weltbild

Werden Bücher ab September 2016 teurer?

Wenn es um den Preis für Bücher geht, spalten sich die Lager. Die einen verfallen nahezu einem Rausch, in dem sie das vermeintlich billige Schnäppchen geschlagen haben. Die anderen vertreten die Auffassung „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Warum aber die Änderung des Buchpreisbindungsgesetzes, die im September diesen Jahres erlassen werden soll, unter scharfer Kritik steht und wie sich darüber der Wert von Literatur charakterisiert, erklären wir in diesem Beitrag.

Der Wert von Literatur – billig vs. Kulturgut

Immer mehr Stimmen werden über die Preisfestsetzung von Büchern laut. Besonders unter Kritik steht die Werbewirkung, die mit den krummen Geldbeträgen wie 9,99 EUR oder 19,95 EUR erzielt werden soll. Es ist kein Geheimnis, dass diese Beträge den Preis um einen Euro günstiger wirken lassen sollen – ein potenzielles Schnäppchen anpreisen und zum intuitiven Kauf anregen sollen. Da es kein Geheimnis ist, wissen auch die Kunden bestens über den Versuch der Verlage Bescheid. Doch das ist nicht die Kritik: Vielmehr geht es darum, dass sich Schnäppchen-Jäger im Discounter-Segment heimisch fühlen. Hier sahnen sie billige Waren zu superbilligen Preisen ab.

Und als „billig“ werden gerade literarische Werke ungern gesehen. Günstig dürfen sie vielleicht sein – aber billig? Weshalb sollte man den einen billigen Roman lesen? Nein – der Wert von Literatur soll sich nach den Stimmen von Buchhändlern künftig auch über den Preis charakterisieren. Der Diogenes Verlag fährt schon länger eine besondere Schiene: Er verzichtet auf krumme Preise – beim Diogenes Verlag gibt es Literatur mit glatten Euro-Beträgen. Dies soll nun der erste Schritt sein, um Literatur „aufzuwerten“, d.h. in ihrer Wertigkeit erhöhen – indem man zunächst auf die vermeintlichen „Billigpreise“ verzichtet. Ab dem diesjährigen Herbstprogramm möchten weitere Verlage dem Beispiel von Diogenes folgen: Dumont, S. Fischer und Bastei Lübbe verzichten mit dem neuen Programm, und den neuen Bänden, auf krumme Preise und signalisieren damit wertige Bücher und Literatur – einem Kulturgut angemessen.

Eingrenzung bei der Ergänzung des Buchpreisbindungsgesetzes

Die Änderung der Buchpreisbindung trifft nicht jeden, der ein Kulturgut schafft. Ausgenommen von der Gesetzesänderung seien Selfpublisher von eBooks. Ganz konkret schließt die Ergänzung des Gesetzes elektronische Bücher aus, die nicht verlags- oder buchhandelstypisch sind. Gerecht oder ungerecht, ist hier die Frage. Weshalb Selfpublisher nicht denselben Regelungen unterliegen sollen wie Verlagsautoren, ist vielen Stimmen nicht klar. Hier wird nach Gleichbehandlung unter den Autoren verlangt – unabhängig davon, über welchen Vertriebsweg sie ihre Bücher an die Leser bringen.

Als Kulturgut zeichnen sich Bücher über einen Wert aus, der sich nicht immer und für jeden messen lässt. Oft identifiziert sich der Wert von Literatur einzig über den Preis, der durch die Verlage festgelegt wird. Weg vom Billigprodukt und hin zum wertigen Buch heißt es ab dem diesjährigen Herbstprogramm. Ob die Änderung mancher Verlage von krummen auf glatte Preise den Wert von Literatur steigert, zeigt die Zukunft.


(KZU) Wir sind jedenfalls gespannt, ob die Preisanpassung eine Änderung im Kaufverhalten mit sich bringt. Du auch? Dann hinterlasse doch einen Kommentar auf unserem Blog oder auf einem unserern Social Media-Kanälen.

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