Montag, 20. Juni 2016

Buchbesprechung zu "Die Mutterglücklüge" von Sarah Fischer


Warum ich lieber Vater geworden wäre


Die 1972 geborene Sarah Fischer arbeitet bei Virgin Records und MTV, betreut Film- und Fernsehteams bei ARD, ZDF sowie arte und gilt als erfolgreiche Vortragsreferentin – doch dann wird sie Mutter, und alles ändert sich. In ihrem Buch erzählt sie mutig und offen über das, was sich nur wenige auszusprechen wagen: „Ich liebe mein Kind – aber an der Rolle als Mutter könnte ich verzweifeln.“ Wie kann man sein Kind lieben und dennoch das Mutter-Sein verfluchen?

Infos zu Sarah Fischer in der Buchbesprechung

Seit mehr als 15 Jahren geht Sarah Fischer ihrer Berufung als Vortragsreferentin, Autorin und TV Beraterin nach. Sie berichtet in Live Reportagen von ihrer Wahlheimat, der Mongolei, und einer befreundeten Nomadenfamilie, der sie sich alljährlich für drei Monate anschließt. Zudem recherchiert und realisiert sie als Projektscout verschiedenste Fernseh- und Filmdrehs in Südafrika, Madagaskar, Deutschland und der Mongolei. Sie wirkte etwa bei terra x mit Dirk Steffens oder Sehnsucht Mongolei mit Markus Lanz mit.

Der kontroverse Inhalt in der Buchbesprechung

Regretting Motherhood, eine Debatte über Mütter, die es bereuen, Kinder bekommen zu haben. In diese Debatte mischt sich Sarah Fischer ein, tritt diese in Deutschland erst so richtig los. Als Sarah Fischer schwanger wird, freut sie sich auf ihr Kind, wird aber von der ersten Minute an mit Regeln überschüttet: wie sie sich auf ihr Kind zu freuen habe, wie man sich als werdende Mutter zu verhalten habe und das man als Mutter prinzipiell sein eigenes Leben dem des Kindes unterzuordnen habe. „Und die Väter?“, fragt Sarah Fischer berechtigt, „wie verändert sich ihr Leben und warum wird von ihnen gesellschaftlich viel weniger erwartet, wenn es um das eigene Kind geht?“ Väter zahlen Alimente, Mütter hingegen „mit Lebenszeit, Karriereaus, Schlafmangel, Freiheit, Inkontinenz, Gewichtszunahme, Armut, Verblödung, Hängebrüsten, […] Dehnungsstreifen, Depressionen…“ Muss jede Frau den fürs Kind hingenommenen Verzicht als Vergnügen empfinden, nur weil sie Mutter ist? Bleibt eine Mutter nicht trotzdem noch Frau – mit Vorlieben und Abneigungen?
„Ich wünsche mir, dass meine Tochter, wenn sie Mutter wird, Frau bleibt und dabei die Rolle genießt, die viele Väter in Deutschland derzeit zelebrieren.“ Es geht ihr um Gleichberechtigung, um die Gleichstellung von Mann und Frau in Bezug auf die Kindererziehung, eine Emanzipation der Mutter-Rolle. „Ich will niemanden angreifen“, schreibt Sarah Fischer weiter, „ich wünsche mir, dass wir das Thema zusammen angreifen. Damit sich endlich wirklich etwas bewegt in Deutschland.“

Fazit zu dieser Buchbesprechung

Sarah Fischer wagt sich in Die Mutterglücklüge an ein brisantes Thema. Sie stellt sich nicht von Grund auf gegen die Mutter-Rolle, fordert vielmehr eine Öffnung des Begriffs „Mutter“. Nach über 180 bereisten Ländern habe Sarah Fischer unzählige Familienmodelle kennengelernt, in denen Müttern ein Leben mit Kind deutlich erleichtert werden würde. Dem „Hauptberuf: Mutter“ absagen, die hierzulande mit Ideologien überfrachtete Mutterrolle auflösen und die gesellschaftlichen Vorgaben dessen, was eine Mutter zu tun und zu lassen habe, nicht zuletzt wie sie sich zu fühlen habe, ändern.
Sarah Fischer liefert einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Rolle der Frau in der deutschen Gesellschaft, zur Emanzipation, und fordert den Meinungsaustausch. Sie wirft die Frage auf: Welches Mutterbild ist heute zeitgemäß und vor allem frauenfreundlich? Ein überaus lesenswertes Buch – nicht nur für Mütter!


(SJ) Teilst Du die Ansichten der Autorin? Oder bist Du anderer Meinung, was die Mutter-Rolle in Deutschland betrifft? Wir sind gespannt auf Deinen Kommentar hier im Blog oder in den Social Media-Kanälen.
TIPP: Demnächst steht Sarah Fischer uns im Interview Rede und Antwort!

1 Kommentar:

  1. Das Buch scheint sich durchaus differenziert mit dem Thema zu beschäftigen. Wozu der polarisierende Titel? Der dürfte der gewünschten gemeinsamen Problembewältigung nicht unbedingt zuträglich sein. Hier wird mal wieder marktgerecht Öl ins Feuer gegossen. Nicht alles, was Fragen und Zweifel aufwirft, ist gleich schon wieder eine "Lüge".

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