Donnerstag, 21. Juli 2016

Buchbesprechung zu "Prostitution - Ein deutscher Skandal"

Alice Schwarzer u.a. fragen: „Wie konnten wir zum Paradies der Frauenhändler werden?“


Deutschland – modern, weltoffen und mit rund 81,2 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Nation der EU. Die wertebasierte, lebendige Demokratie ist zugleich die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde, innovativ und exportorientiert. Und doch gibt es Schattenseiten: Das älteste Gewerbe der Welt findet in Deutschland seinen europäischen Dreh- und Angelpunkt. Während man in Ländern wie Schweden oder Frankreich bei Prostitution von „White Slavery“ – weißer Sklaverei – spricht und diesen Frauenhandel deshalb unter Strafe stellt, machen Gesetze Deutschland zu einem „Paradies für Zuhälter“. Warum wir nicht wegschauen sollten…

„Als Hure kannst Du es Dir nicht leisten zu fühlen. Du musst Deinen Körper benutzen wie ein Werkzeug. […] Ich habe mir das Denken abgewöhnt.“

Das Buch Prostitution – Ein deutscher Skandal wurde bereits 2013 von Alice Schwarzer herausgegeben, hat seither aber leider Nichts von seiner Aktualität verloren. Darin kommen neben der Feministin selbst vor allem diejenigen zu Wort, die Prostitution hautnah erleben: Da berichtet das Mädchen aus der wohlsituierten Familie, die von ihrem Loverboy ins Milieu gelockt wurde; da öffnet sich der Ehemann, der seine bedrückenden Eindrücke aus dem Puff wiedergibt; da schildert der ehrenamtlich arbeitende Doktor seine wöchentlichen Abtreibungen oder der Hauptkommissar erzählt, warum das geltende Prostitutionsgesetz den betroffenen Frauen am allerwenigsten hilft.
Laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes sowie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend arbeiten in Deutschland mindestens 400.000 Menschen in der Prostitution – die meisten davon sind Frauen, die zwischen Vergewaltigungen, billigem Flatrate-Sex und Geschlechtskrankheiten nach ihrer Würde suchen. Etwa 90 % von ihnen sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Mit der Illusion vom goldenen Westen werden sie nach Deutschland gelockt…

Von Legalisierung und Aufhebung der Kriminalisierung

Das Buch Prostitution – Ein deutscher Skandal gibt einen unverblümten Einblick in die Problematik: Warum Familien weghören, wenn Freier in gutbürgerlichen Wohnhäusern ihren Gelüsten nachgehen; welche Veränderungen die letzten Reformen des Prostitutionsgesetzes wirklich mit sich gebracht haben und was in Deutschland passieren muss, um Frauen davor zu schützen, zur Ware zu werden.
Der Umsatz im Schattengewerbe wird jährlich auf 14  bis 15 Milliarden Euro geschätzt, von dessen Gewinn auch der Staat profitiert. Ein Paradox! Während einerseits stetig neue Gesetze erlassen werden, verdient der Staat andererseits durch Steuern am horizontalen Gewerbe kräftig mit. Doch um welchen Preis?
Ein überaus lesenswertes Buch! Authentische Berichte werden durch fachkundigen Kommentar ergänzt, persönliche Erfahrungen dadurch schlichtem Faktenwissen gegenübergestellt.



(SJ) Wir würden uns über eine rege Diskussion zur Thematik freuen! Habt Ihr Euch bereits mit diesem Problem auseinandergesetzt? Wir freuen uns auf Kommentare hier im Blog, bei Facebook oder Twitter!

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