Mittwoch, 27. Juli 2016

Rezension zu "Der Geschmack von Salz und Honig" von Hanna Tunnicliffe

Eine Geschichte von Trauer und Selbsterkenntnis 



Der Geschmack von Salz und Honig ist der Roman der neuseeländischen Autorin Hannah Tunnicliffe, der im Mai 2016 auf Deutsch im Diana Verlag erschienen ist: Eine junge Frau zieht sich in eine Waldhütte zurück, um den Tod ihres Verlobten zu betrauern. Eine berührende Geschichte, die man noch packender hätte umsetzen können. Woran liegt das?

Die Story: Verluste, Familie und Begegnung mit sich selbst


Die Italo-Amerikanerin Frankie war seit der Schulzeit mit dem gut situierten Alex zusammen. Kurz vor der Hochzeit stirbt er bei einem Surfunfall. Nach der Beerdigung flieht Frankie in eine Waldhütte am Meer. Beides hat Alex geliebt. Doch liebte er auch sie? Die Begegnung mit der Surferin Summer im Haus der hilfreichen Nachbarin Merriem (ein Spät-Hippie mit traumhaftem Gemüsegarten) lässt Frankie zweifeln. Zudem will Alex' Mutter Frankie wegen Hausfriedensbruch aus der Hütte werfen lassen. Zugestellt wird diese Nachricht vom Verwalter, dem netten Nachbarn Jack - alleinerziehender Vater des Mädchens Huia, mit der sich Frankie bald anfreundet. Und auch Frankies Schwester Bella, von der sie Jahre nichts gehört hatte, bietet beharrlich Hilfe an. Zudem taucht Alex' Bruder Daniel auf und Frankies sizilianisch-kalabrische Großfamilie versorgt sie mit Essen und Zuneigung. Nach und nach erkennt Frankie, dass Alex' Beziehung zu ihr weniger von Liebe als von Pflichtgefühl getragen war. Doch es gibt Hoffnung: Frankies Freundschaft zu Jack und Huia, aus der - vielleicht, viel viel später - einmal Liebe entstehen könnte, und die Wiederannäherung an ihre Schwester. Am Ende reist Frankie nach Italien und schöpft dort neue Kraft.

Psychologisch gut durchdacht, aber zu konstruiert


Die Geschichte ist psychologisch gut durchdacht: Der frühe Verlust der Mutter hat Frankie geprägt und lässt Alex' Tod noch dramatischer erscheinen, praktisch als Wiederholung der Geschichte, wodurch sich wiederum der Vater gut in Frankies Situation einfühlen kann; die schleichende Entfremdung zwischen Frankie und Alex, den sie für ihre große Liebe hielt, wird nach und nach enthüllt. Doch vieles wirkt konstruiert bzw. zu abrupt eingeführt, wie die Vorgeschichte von Alex' Mutter. Der zurückhaltende, melancholische Grundton ist dem Thema angemessen, doch etwas mehr emotionale Tiefe und Sinnlichkeit hätte dem Roman gut getan - daran können auch die eingestreuten Kochrezepte nichts ändern.

Ein Wort zum Handwerk …


Auch die Dialoge wirken manchmal schleppend und oder gar unlogisch, vor allem durch den übermäßigen Gebrauch von Pünktchen … Die vielen Rückblenden werden fast durchgehend im Perfekt erzählt; das wirkt sperrig bis kindlich. Und bei den Figuren und Vorgeschichten hätte sich die Autorin auf weniger beschränken und diese detaillierter ausarbeiten können, statt sich in Andeutungen zu ergehen, die dann nirgendwo hinführen (z.B. Huias Mutter oder die zart aufkeimende Liebe zwischen Frankies Vater und Merriem). Auch die Landschaft - die urwüchsigen Wälder, das Meer - kommen zu wenig zur Geltung. Immerhin dankt die Autorin im Nachwort Menschen, die sich für den Erhalt wertvoller Wälder einsetzen und ihr bei der "Gestaltung der Kulisse" geholfen haben. Warum spürt und erfährt man im Roman nicht etwas mehr davon? Immerhin, der Schluss versöhnt: Frankie findet auf einer Italienreise neuen Lebensmut.


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